Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegen den Ästheticismns. 487 Es wäre eine reizvolle Aufgabe, diese Aufzählung zu vervollständigen und ins Einzelne gehend, bei allen Vertretern des Monismus die letzten Motive aufzudecken. Das würde aber hier zu weit führen. Wir verwahren uns ausdrücklich dagegen, als ob wir den Monisten unlautere Motive unterschieben wollten. Wir konstatieren nur die Tatsache, daß sie letzten Endes die gemeinsame Abneigung gegen das alte zusammengeführt. Von der Negation allein kann eine geistige Bewegung aber nicht leben, ihr fehlt dann vor allem die Stoßkraft, die sie entfalten muß, will sie sich werbend betätigen. Da tritt nun rettend das Gefühl ein, das immer ein willkommenes Sammelbecken ist für die heterogensten subjektiven Empfindungen. In der Tat, wo immer wir in Aufsätzen und Abhandlungen, in großen Werken von Vorkämpfern des Monismus auf eine positive Dar- Stellung der Weltanschauung stoßen, da finden wir Emanationen eines mehr oder minder mystisch gefärbten Denkens, schwärmerische Gefühlsausbrüche, die sich mühen, das Unfaßbare, das an sich Ueberweltliche in die Formen unserer Vorstellungen zu zwängen. Wir wollen nicht citieren, denn mit Citaten täte man den Verfassern Unrecht. In wenigen Worten können Ideen, die den letzten Urgrund aller Dinge widerspiegeln sollen, nicht wiedergegeben werden, So mag hier die Versicherung genügen, daß man nach der Lektüre dieser Schriften so klug ist wie zuvor. Man fühlt sich durch den Schwung der Darstellung erhoben, aber man weiß wirklich nicht, welch neue Erkenntnis man gewonnen. Am besten fährt man noch bei denen, die die Weltseele im spinozistisch-pantheistischen Sinne nehmen. Dabei kann man sich doch etwas denken. Freilich teilt diese ״Weltseele״ alle Schwächen des Systems Spinozas. Sie erweist sich als völlig unfähig, Subjekt einer für den Menschen verpflichtenden Gesetzgebung und Objekt seiner hingebenden Verehrung zu werden, Forderungen, die jede!Religion und sei es auch die modernste, an ihren Gottesbegriff stellen muß. Was nun die monistische Literatur an klaren und befriedigenden Gedankengängen vermissen läßt, das ersetzt sie reichlieh durch die Fülle von Poesie, die über ihre Darstellungen