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Jeschurun · 1915-11-01 · Heft 11 (November 1915) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 11 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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486 Gegen den Ästbeticismus. ihre Resultate an eine letzte, nicht weiter auf etwas anderes zurückführbare und höchste Einheit angeknüpft hat. Das sind Worte, die jeder von uns unterschreiben wird. Wäre ja demnach der Monismus nichts anderes als ein methodologisches Prinzip, dessen Richtigkeit zu bezweifeln keinem wissenschaftlich Denkenden in den Sinn käme. Und wie Drewsf so rücken fast alle wissenschaftlichen Vertreter des Monismus von Haeckel, oft mit geradezu beleidigender Deutlichkeit ab. Ebensowenig aber ist aus allen theoretischen Erörterungen eine klare Auffassung vom Wesen des Monismus zu gewinnen. Das allen Vertretern Gemeinsame ist auf eine klare Formel nicht zu bringen, es sei denn jene oben erwähnte Darstellung von Drews, die aber so wenig neu und so wenig charakteristisch für den im Kampf des Tages sich betätigenden Monismus ist, daß wir mit ihr nichts anfangen können. Was einigt nun den deutschen Monistenbund? Es haben sich da Männer zusammengetan, die gewöhnt sind, nach festen Prinzipien ihre Weltanschauung zu formen und nach bestimmten Normen zu handeln. Es ist die Negation, die alle einigt. Wissenschaftler, die über die exakten Ergebnisse auf ihrem Wissensgebiete hinaus mit rein philosophischen Gedankengängen zu einen! abgeschlossenen Weltbilde gelangen wollen, sehen in der positiven Religion und ihren Lehren ein Hindernis auf ihrem Wege. Politiker, denen der zufällige Bund zwischen den reaktionären und kirchlichen Parteien das Trugbild vorgaukelt, die Anhänger der religiösen Wahrheiten seien vielleicht Vorkämpfer für ultrakonservative und freiheitsfeindliche Gesinnung, machen den ״Dualismus der alten Religion“ dafür verantwortlich, daß die Menschen sich durch den Hinweis auf ein transzendentes Wesen und ein jenseitiges Reich ihres Bürgerrechts und ihres Anteils hinieden berauben lassen. Künstler, die von allen Traditionen sich lösen, in voller Ungebundenheit schaffen wollen und neben der ästhetischen darum auch noch eine neue ethische Wertung herbeigeführt sehen möchten, laufen Sturm gegen eine schon durch ihr Alter als heilig empfundene Überlieferung, in der die allgemein noch herrschende Wertung seit Jahrtausenden verankert ist.

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