Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegen den Astheticismus . 485 handelt, sondern um eine ganze Summe von allerlei Geistes- Strömungen, die in den verschiedensten Gebieten ihren Ursprung haben, ist jedem klar, der sich die Mühe gegeben hat, sie zu verfolgen. Gelehrte, Dichter, Fachleute und Dilettanten, Allerweltswisser und gründliche Kenner eines wissenschaftlichen 'Einzelgebiets, ausübende Künstler, Journalisten und Politiker, sie alle nennen sich Bekenner der monistischen Weltanschauung! Die Annahme liegt von vornherein nahe, daß all diese Per^ sönlichkeiten, die in Betätigung und Gedankenrichtung oft wie durch eine weite Kluft voneinander geschieden sind, keine gemeinsame Überzeugung verbindet. Keine Überzeugung wenigistens, die das Ergebnis eines streng logisch sich auf bauenden Systems philosophischer Gedankengänge wäre. So ist es in der Tat. Es wird dem Leser bekannt sein, was sich ein Haeckel unter dem Monismus vorstellt. Mit diesem Monismus, der Naturwissenschaft, Naturphilosophie und Religion sein will, vergleiche man, wie ein anderer Vertreter des Monismus, ein hervorragender und besonnener Gelehrter sich äußert1). Das Bedürfnis nach einer monistischen Auffassung der Wirklichkeit ist gegenwärtig ein allgemein empfundenes und sucht auf den verschiedensten Wegen nach Ausdruck. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß es sich 3a in aller Wissenschaft und Weltanschauung um eine Vereinfachung der Wirklichkeit, um eine Zurückführung der gegebenen Mannigfaltigkeit und Vielheit auf ein gemeinsames Prinzip, um die Gewinnung eines letzten und höchsten Gesichtspunktes handelt, von dem aus angesehen, die Vielheit sich zur Einheit ordnet und die verwirrende Fülle der Erscheinungen sich als ein Ganzes darstellt. So hat auch Plotin, der tiefste Denker und spekulativste Kopf des Altertums, einen Gegenstand erst dann wirklich als erkannt bezeichnet, wenn er auf das Eine als seinen Grund und sein Wesen zurückgeführt sei. Monismus in diesem Sinne ist folglich die selbstverständliche methodologiscne Voraussetzung aller ׳Wissenschaft, der unbewußte leitende Gedanke ihrer Untersuchungen, das Ziel, auf dessen Erreichung alle wissenschaftliche Erkenntnis hinstrebt; und keine Wissenschaft kann sich rühmen, in sich vollendet und fertig zu sein, die nicht in solcher Weise ג) Arthur Drews. Der Monismus in Beiträgen seiner Vertreter. Band 1, Seite 1.