Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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484 Gegen den Astheticismus. Bollwerks schienen so dem modern Gebildeten geborsten, die־ alte Lehre von Gott, und die Lehre vom Menschen. Aber er tröstete sich bald. Für das Alte und ITnbrauchbare wurde Ersatz geschaffen. Das religiöse Gefühl, früher auf einen transcendenten Gott gerichtet, auf einen außerweltlichen Schöpfer des Alls, fand jetzt Befriedigung in der Hiegabe an die Natur. Den unscheinbaren Keim und das vollendete Wesen, die vergangenen und die kommenden Zeiten umschließt ein Band, ein göttliches in Allem und Jedem, das Kleine zum Größten bestimmt und das Größte dem Kleinen verwandt, das Ganze ein Widerschein unendlicher Schönheit. Der Monismus wird überall dort, wo er den Boden strenger wissenschaftlicher Beweisführung verläßt, zur Naturschwärmerei. Und der Mensch, nach der alten Lehre, in seiner Freiheit ein Schöpfer gleich Gott, ein Schöpfer sittlicher Werte, aber in den von Gott empfangenen Pflichtenkreis gebannt, damit er seiner Freiheit froh werde, er will nicht mehr an dem Biß verbluten, der durch sein Inneres geht. Was Sünde, was Leid! Der moderne Glaube vom Leben gibt ihm wieder das Geschlossene der Persönlichkeit. In der Freude des Sichauslebens wird er der inneren Harmonie sich bewußt, ״ein Leben in Schönheit“ ist wahre Religion. Es ist nun selbstverständlich, daß die Fülle der geistigen Bewegungen, die uns umfluten, nicht alle in das enge Bett eines einzigen Stromes geleitet werden können. Sie wollen viel mehr geben und geben auch mehr als bloße Gefühlserregungen. Es ist aber nützlich, sie alle einmal unter einem Gesichtspunkt zu betrachten, das allen Gemeinsame dadurch hervorzuheben, und so den Kern, das Prinzipielle von dem TTnwesentlichen zu scheiden. Wir glauben, es wird kaum be״ stritten werden können, daß das Wesentliche vieler modernen Bewegungen eben in der Tendenz liegt, an alle metaphysischen Fragen das Kriterium ästhetischen Empfindens zu legen. Wir betrachten zuerst die Bewegungen, die mit dem Sammelnamen ״Monismus“ zu bezeichnen sind. Daß es sich da nicht um eine einheitliche Welt- oder Lebensanschauung