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Jeschurun · 1915-10-01 · Heft 10 (Oktober 1915) · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 10 (Oktober 1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. 4 77 machen darum eine seltsame Figur. Zumal, wenn sie für den modernen Chassidismus mit all seinen Auswüchsen, dem Zaddikismus, Quitteiwesen, der Verkehrung der Gebetszeiten im strikten Widerspruch zur Halacha usw. die gleiche Verehrung verlangen wie für die Kabbala. Aber nicht minder müssen wir uns gegen die Be kämpf er der Kabbala wenden, die nicht sehen wollen, daß wir dem Gesamtgeist des Judentums nicht genicht werden, wenn wir nicht der Kabbala im Geistesleben des Judentums ihren Platz einräumen und daß wir nicht nur aus der Literatur des Judentums außerordentliche Werte streichen, wenn wir die hierher gehörigen Schriften in ihrer Bedeutung nicht anerkennen, sondern daß zu allen Zeiten ohne diesen Einschlag das religiöse Leben verarmt wäre. Zu allen Zeiten. In der taimudischen nahm man es offenbar strenger mit der Forderung ארן* דורס־ין בכלעעוד: זחכלרכבה אלא ביחיד, und daher sind die Veröffentlichungen in Talmud und Midrasch so spärlich. Aber wie tief da die Wirkungen gehen, kann man an den ersten Blättern des zweiten Perek von Chagiga sehen. Diese Partien gehören zu den ergreifendsten der gesamten Aggada. Auch der oberflächliche Blick sieht: Hier herrschen nicht Spielerei und künstlicher Nebelschleier, sondern gewaltige Gedanken, denen die gewöhnlichen Mittel der Ausdrucksweise nicht gewachsen sind. Und was wäre die spanische Blüteperiode ohne Jehuda ha־Levi und Nachmanides, diese jüdischsten der Großen jener Zeit, um diesen sprachlich unkorrekten, aber treffenden von S. B. Hirsch geprägten Ausdruck zu gebrauchen. Die Glut ihres religiösen Empfindens und vor allem die Kraft, diese ihre Empfindung in die Wirklichkeit umzusetzen, verdanken sie der religiösen Weltauffassung, die aus dem Urquell des סוד der letzten Geheimnisse schöpft. Bei Jehuda ha-Levi tritt dasWortnichtsoin den Vordergrund. Aberderlnhalt lebtin seinemKusari. Die Bedeutung des Beligionsgesetzes für Israel, alle Erklärungen dafür, wie und warum das erwählte Volk seine Bestimmung auf Erden nur erfüllen kann durch das System der Thorapflichten wird zurückgeführt auf jene nicht zu ergründende Verbindung, die Gottes Walten an das Tun seines Volkes knüpft, auf die Idee der דלכזפעה, die von den kabbalistischen Schriften nur ausgemalt, aber bei Jehuda ha-Levi in ihrem Grundgedanken sich mit gleicher Stärke geltend macht. — Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien erblühte im Orient neues jüdisches Leben nur durch die Befruchtung der Kabbala und nach der ungeheuerlichen Probe, auf welche die Chmielnickischen Verfolgungen die Lebensfähigkeit des osteuropäischen Judentums stellten, wurde der Chassidismus zum Better. Was aber den Chassidismus befähigte, viele Generationen hindurch für Millionen unserer Glaubensgenossen Stab und Stütze zu sein, das war nicht, wie uns Martin Buber einreden will, seine Verherrlichung des Satzes: ״Selig sind die Unwissenden״ und seine vermeintliche Verwandtschaft mit dem Urchristentum, auch nur zum geringen Teil die Berücksichtigung mancher

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