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Jeschurun · 1915-10-01 · Heft 10 (Oktober 1915) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 10 (Oktober 1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. 475 Männer wie ihrer Schriften und deren Nutzanwendung zu religiöser Betätigung und Übung der Gottesfurcht unablässig, als ein ״Maskil“ im Sinne des Psalmenwortes ראשית חכמה יראת ה' שכל טרב לכל עושיהם gewirkt, er hat als Wohltäter durch Erweckung und fruchtbare Anregung auf weite Kreise hin seinen nachhaltigen Einfluß ausgeübt, darum gilt für ihn als Nachruhm das Wort: והמשכילים יזהירו בזהר הרקיע ומצדיקי הרביס כבכבים לעולם ועד. * * * Nachdem der Fachgenosse den Historiker gewürdigt, sei es dem Herausgeber gestattet, einige Worte über Berliners Stellung zu prinzipieilen Fragen der Lehre und des Lebens im Judentum hinzuzufügen. Es ist nicht unnötig, daß dies geschieht, weil in manchen Nachrufen, die mir zu Gesichte gekommen sind, eine schiefe Beurteilung seines religiösen Innenlebens zutage trat, die geeignet ist, zugleich ein falsches Bild von seiner spezifisch religiösen Wirksamkeit zu geben. Seine Toleranz und sein Mut zur Wahrheit wurden mit offensicht־ licher Spitze gegen andere jüdische Gelehrte hervorgehoben. Seine Toleranz rühmte man, weil er mit allen religiösen Richtungen sich zu gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit verband, seinen Wahrheitsmut, weil er in seinen Schriften gegen einzelne überlieferte Bräuche im Judentum polemisierte. Die angegebenen Tatsachen sind richtig, aber die Schlüsse, die daraus gezogen wurden, durchaus falsch. Berliner unterhielt freundschaftliehe Beziehungen zu Männern radikaler religiöser Richtung. Ein Mann wie Felsenstein, der in einem Aufsatz alles Ernstes die Frage erörterte, wenn er sie auch nicht schlankweg bejahte, ob nicht christliche und jüdische Gemeinden Amerikas von einem Geistlichen gemeinsam verwaltet werden könnten, hat zur Festschrift gelegentlich des 70jährigen Geburtstags Berliners einen Beitrag geliefert. Aber diese gemeinsame Arbeit entsprang einem Widerspruch im Denken Berliners. Man tritt seiner Persönlichkeit nicht zu nahe, wenn man diesen Widerspruch aufleckt. Denn wo gäbe es einen Menschen, der nicht Widersprüche in sich vereinigte. Berliner war — wenn man Festigkeit in Betäti- *ung religiöser Anschauungen Intoleranz nennen darf — so intolerant wie möglich. Vierzig Jahre war er Vorsitzender des Repräsen־ tantenkollegiums einer Austrittsgemeinde und die Seele aller der Be- Strebungen, die jeden Versuch einer Vereinigung mit der Hauptgemeinde unmöglich machten. Man wird dem Austrittsgedanken wahrlich nicht

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