Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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474 Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. hänge fehlte, ein gewisse Einseitigkeit ihn bestimmte Forschungsgebiete, weil ihm persönlich nicht symphatisch, absichtlich nicht beachten ließ, wie er z. B. bei seinen Vorlesungen die Geschichte des Karäertums und der Kabbala vollkommen ausschal־ tete. Auch konnte der Mangel an methodischer Vorbildung nicht immer sich verbergen. Desto höher aber müssen wir seine mühsam errungene hohe wissenschaftliche Stellung, die ihm gern eingeräumt wurde, als eine Bewahrheitung des talmudischen Wortes יגעת ומצאת תאמין hochschätzen. Man kann in gewissem Sinne sagen, daß Berliner, sowie er für die Kenntnis, ja die Er- Schließung mancher Kulturkreise viel geleistet hat, so auch er selbst den Abschluß einer Kulturepoche innerhalb der Entwickelung der jüdischen Wissenschaft bedeutet. Im Geist des alten Beth-Hamidrasch erzogen und dort mit unseren nie veralteten Literaturwerken vertraut geworden, trat er noch in innigste Beziehungen zu den Hauptbegründern und Führern der modernen Wissenschaft des Judentums, vor allem Zunz und Steinschneider. Wohl begegnete er da ihm fremden Strömungen im religiösen Denken und Fühlen, die manch anderen mit sich gerissen hätten, aber er blieb sich in Leben und Lehre immer selbst treu und faßte seine Wissenschaft als in Wahrheit tatenerzeugend auf im Sinne des am Eingang unseres Aufsatzes erwähnten Wortes unserer Weisen. Für die religiöse Tat und die Verhütung nicht religiösen Tuns fanden sich in Berliner, den Esriel Hildesheimer einst einen Granit des überlieferungstreuen Judentums genannt hat, — und das soll besonders in diesen Blättern betont werden — der Forscher und der wahre Jehudi zusammen. Mit der Fülle seiner ausgebreiteten literarischen Kenntnisse trat er, der selbst eine Gemeinde in streng traditionellem Geiste führte, noch als Greis voll jugendlicher Begeisterung auf mit seiner Schrift ״Zur Lehr und zur Wehr, über und gegen die kirchliche Orgel im jüd. Gottesdienste,“ als es galt, das religiöse Interesse weiterer Kreise in dieser Stadt zu wahren. Abraham Berliner hat für die Verbreitung der Kenntnis der Vergangenheit des Judentums, der Erkenntnis seiner großen