Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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468 Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. Autors für den Gegenstand seiner Darstellung entgegen, besonders da er, selbst noch der Zeuge der traurigen unmittelbaren Nachwirkung der päbstlichen Herrschaft, unter dem Eindruck des mächtigen Wandels der Zeiten stand. Dieser Hauch des innigen Mitfühlens verleiht dem Buch, bei dessen Abfassung dem Autor eine große Vertrautheit mit dem Aktenmaterial und intime Kenntnis der Gemeindeangelegenheiten zu Gebote standen, einen großen historischen Wert, wenn dies auch in manch anderer Hinsicht, so besonders, was das Literaturgeschichtliche betrifft, gewisse Lücken aufweist. — Eine Lichtseite aus dem Verhalten der Päbste zu den Juden hat Berliner in der Veröffentlichung des Gutachtens des Kardinals Ganganelli, nachmaligen Pabstes Clemens XIV., in Angelegenheit der Blutbeschuldigung gegen die Juden, dargestellt, mit der er seine literarische Betätigung dem Dienst der Ehrenrettung unserer Gemeinschaft gewidmet hat. Seinem Streben, insbesondere der religiösen Betätigung im alltäglichen Leben zu dienen, ist Berliner bis ins hohe Alter treu geblieben. Hatte er in seinen Mannesjahren von Raschi und Onkelos uns eine möglichst fehlerfreie Wiedergabe der Texte geboten, so wandte er sich als Greis dem unzertrennlichen Begleiter des religiösen Juden, dem Siddur, mit liebevoller Hingabe zu. Stets bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten der Geschichte des synagogalen Gottesdienstes seine Aufmerksamkeit schenkend, wollte er besonders die alltägliche Tefilla pietätsvoll erfaßt und verstanden wissen. Eines der vorzüglichsten Erzeugnisse der Literatur über den Siddur hat er uns durch die Herausgabe der Vorrede des R’Sabbatai Sofer aus Przemysl (c. 1600) zu seiner großangelegten Erläuterung über das alltägliche Gebetbuch erschlossen. — Doch auch in gewissem Sinn selbständig durch Anregung zu manchen formellen Änderungen des Gebettextes wollte er noch im Alter wirken durch seine ״Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch״, die in zwei Bänden bereits vorliegen, und denen noch ein dritter folgen sollte. Vorarbeiten hierzu beschäftigten Berliner noch im letzten Lebensjahre, indem er besonders der in der Bene-