Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. a 467 scharfsinnigen Untersuchungen Abraham Epsteins es dargetan haben, daß diese Erklärungen R. Gerschom selbst nicht angehören, so sind sie doch mittelbar auf seine Schule zurückzuführen. Da aber die großen Gelehrten der Rheingegend, des sogen. Lothringens, ihre Anregungen und Belehrungen, sicheren Anzeichen nach, aus Italien erhalten haben, so hat auch hier Berliner durch die Vermittelung der Bekanntschaft mit diesen Kommentaren einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhang der Kultur dieser beiden Länder geliefert. Vor allem aber haben die wissenschaftlichen Reisen des Gelehrten nach Italien ihn zu einer ganzen Reihe von kleineren und größeren Arbeiten über die kulturellen und sozialen Verhältnisse des jüdischen Italien veranlaßt. In diesem Lande war natürlich Rom, und in ihm das Pabsttum, der eigentliche Mittelpunkt, von dem aus man die ״in ihrer Halsstarrigkeit verharrenden Juden״ mit allerlei Mitteln in den Schoß der alleinseligmachenden Religion führen wollte. Die mannigfachen Leiden führt uns Berliner vor, wenn er die von der Inquisition im Kirchenstaate verhängte Zensur und Konfiskation der Druckerzeugnisse aus der rabbinischen Literatur mit ihren einschneidenden Wirkungen auf die äußere Gestaltung der Schriftwerke darstellt; besonders aber ist sein Interesse der Wechsel- und leidvollen Geschichte der Juden in Rom, ״der ältesten und doch zugleich jüngsten Gemeinde״ — wie er sie einmal treffend nennt — gewidmet. Er schildert in einer Abhandlung: ״Aus schweren Zeiten״, die tränenreiche Zeit der Bedrückungen und Erniedrigungen, entwirft ein lebhaftes Bild der Zustände kurz vor der Befreiung in dem Aufsatz: ״Aus den letzten Tagen des römischen Ghetto״. Wie sehr Berliner mit der Geschichte der Juden in der ewigen Stadt verwachsen war, sehen wir aus seinem größten Werke auf diesem Gebiete, seiner ״Geschichte der Juden in Rom״, in dem er die einen Raum von 2000 Jahren umfassende Epoche der stets sich wandelnden Geschicke unserer Glaubens- und Volksgemeinschaft in dieser Stadt zu schildern unternahm. Auf allen Seiten tritt uns hier die innere, gewissermaßen persönliche Teilnahme des