Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. wir nämlich zwei Wege der Vermittelung der geistigen Güter nach den verschiedenen Ländern der Diaspora, die in recht sinnfälliger Bewahrheitung desWortes תורה עם דרך ארץ im allgemeinen denen der kommerziellen und politischen Beziehungen entsprechen: der eine führte von Babylonien über Nordafrika nach Spanien und von dort in das südliche Frankreich, die sogen. Provence, — der andere ging von Palästina und dem in kultureller Hinsicht ihm nahestehenden Ägypten nach Italien, das wiederum stark auf 1Westdeutschland und das vielfach mit ihm verknüpfte östliche Frankreich einwirkte. Die reichen literarischen Schätze in den Bibliotheken der Appeninenhalbinsel hat nun Berliner mit Kennerblick und Glück für die literarische Forschung nutzbar zu machen gewußt. In Parma fand er, unter anderem, die Massorah zum Targum Onkelos, eine höchst interessante und lehrreiche Zusammen- Stellung von Bemerkungen, die für das Verständnis und die Textesherstellung des alten Schriftwerkes von großer Wichtigkeit sind. Die Entstehung dieser Massorah setzt Berliner an das Ende des neunten Jahrhunderts in Babylonien, wo ja bekanntlich das Targum Onkelos seine Schlußredaktion erhalten hat, und zwar zu einer Zeit, wo noch die sogenannten Methurgemanim ihres Amtes als Volksbelehrer gewaltet haben dürften. Seit der Veröffentlichung dieser Arbeit, die dem Jahresbericht des Rabbinerseminars für 1875 beigegeben war, blieb Berliners Interesse längere Zeit dem Studium der Massorah zugewandt, in das er, wie selten einer, seine Schüler einzuführen wußte, besonders aber dem Targum Onkelos selbst. Auch hier zeigt sich die Vorliebe des Gelehrten für das Praktisch-Religiöse; bildet doch diese auf alte Überlieferungen zurückgehende Uber- Setzung des heiligen Fünfbuches, die noch dazu in bemerkenswerter Konsequenz alle dem Höchsten beigelegten scheinbar körperlichen Bezeichnungen umzudeuten weiß, ebenso wie die Erklärung Raschis, eine der Hauptquellen der religiösen Belehrung, ja nach der Vorschrift unserer Lehrer in noch höherem Maße, da an jedem Sabbat nächst dem zweimaligen Durchgehen des hebräischen Urtextes auch diese aramäische Übertragung