Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. 463 andere Zeiten verlangten eine andere, mehr dem Scharfsinn, wie auch der rein rationellen Auslegung Rechnung tragende Deutung des Schriftwortes, zumal die immer mehr angriffsweise auftretende Geistlichkeit die jüdischen Gelehrten nötigte, sich spitzer und scharfer Waffen zu bedienen, um in sogenannten ויכוחים, Disputationen von größerem und geringerem Umfang, dem wahren Sinn des Thorawortes gegen die Trübungen der christologischen Auffassung offen darzulegen. Dieser an Raschis Leistungen sich anschließenden späteren französischen Schule und der polemischen Exegese ist vornehmlich eine nicht umfangreiche, aber sehr bedeutsame Schrift Berliners gewidmet, die er mit Recht פליטת סופרים genannt hat, da sie mühsam aus seltenen Handschriften zusammengestellte Auszüge aus Erklärungen fr anzösischer Kommentatoren enthält, die sogar jetzt noch zum nicht Teil näherbekanntsind. Das Werk bietet außerdemzwei Abhandlungen, die für ein neues Arbeitsgebiet Berliners den Anfang bilden, die Veröffentlichung einer massoretischen Studie, des מררש הסר ויתיר, eines Midrasch über die Piene- und Defektivschreibung einzelner Worte, und ferner eine Darstellung der geistigen Tätigkeit der Juden in Nord- und Mittelitalien. DenBeginn dieser weiteren Tätigkeit Berliners bildet seine im Jahre 1873 mitHilfe despreußischen Staates und hochherziger jüdischer Gönner unternommene erste Reise nach Italien. Hier erschloß sich ihm eine ungeahnte Welt voll reichster Funde in den verschiedenen Bibliotheken dieses Landes, dessen Hauptstadt ja die älteste jüdische Gemeinde Europas beherbergte. Die Erweiterung des Gesichtskreises, die sich für Berliner aus den bis in die Jahre des Greisenalters wiederholten Reisen nach Italien ergab, bildete gewissermaßen die folgerichtige Fortsetzung seiner Erstlingsarbeiten. Galten diese dem in Deutschland herangebildeten und in Frankreich wirkenden Raschi, später dem geistigen und kulturellen Leben der deutschen Juden, so erschloß er sich nun die literarischen Schätze des Landes, von dem aus mit höchster Wahrscheinlichkeit die deutschen und nordfranzösischen Juden die religiöse Belehrung erhalten haben. In der Literaturgeschichte unseres Volkes unterscheiden