Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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462 Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. hat Berliner ancli bald in einer nicht nnr für die gelehrten Forscher, sondern auch für weitere Kreise interessanten Schrift: ״Ans dem inneren Leben der deutschen Juden im Mittelalter,w die er in einer zweiten Auflage mit Recht als ״Beitrag für deutsche Kulturgeschichte“ bezeichnen konnte, verwertet. Hier führt uns der Verfasser in das alltägliche Leben der Juden Deutschlands ein, läßt uns ihre Freuden und Spiele, ihren Handel und Wandel, ihr Leid und ihre Trauer, ihr inniges Familienleben, ihre Fürsorge für die Erziehung der Söhne und Töchter, wie auch ihre Beziehungen zur Kultur der andersgläubigen Umwelt kennen lernen. Das Buch enthält eine reiche Fülle der Belehrung und zeigt uns die deutschen Juden in ihrer Schlichtheit und Innigkeit, ihrem תמימות,; und läßt ihr Streben und ihre Leistungen zum mindesten ebenbürtig an die Seite der — nach dem Ausspruch Samuel David Luzzattos — weit über Gebühr von einer einseitigen Betrachtungsweise emporgehobenen spanisch-arabischen Judenheit treten. Man kann daher dieses Werk Berliners, in dem sich seine Meisterschaft in der Darstellung des Details am schönsten zeigt, in gewissem Sinn als Krönung seiner Würdigung Raschis bezeichnen, dessen Werden und schlichte Größe gerade dem Wurzeln im deutschen Wesen, infolge der nahen Verwandtschaft mit den hervorragendsten Familien des Rheinlandes, zu verdanken ist, während bei seinen Nachfolgern, den Tossafisten, schon zum Teil, wenn man den Vergleich wagen darf, der französische Esprit wahrzunehmen ist. Das Streben Raschis, die Bibel, wo es angeht, auch dem einfachen Sinn zu erklären, jedoch den Auslegungen des Midrasch einen breiteren Raum zu gewähren, hat weithin anregend in seiner Umgebung gewirkt und jüngere Gelehrte, wie Joseph Kara und Schemaja aus Soissons — dem ja die letzte Arbeit aus Berliners Feder in diesen Blättern galt — zur Mitarbeit mit dem Meister geführt, der gern den mehr von der midraschischen Erklärungsweise sich entfernenden Jüngern ihr Recht einräumte; es wurde auch pietätvoll von den über den großen Ahnen weit hinausgehenden Enkel Samuel ben Meir anerkannt. Jedoch