Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit voller Arbeit, wobei er ״nichts Grobes und Kleines außer acht ließ“, durch eine möglichst korrekte Textherstellung unter Tilgung unechter Stellen und mit gewissenhafter Angabe der Quellen im Talmud und in den Midraschim, aus denen Raschi geschöpft, gelang es Berliner, trotz einer anstrengenden Seelsorgertätigkeit in einer kleinen Gemeinde, das kostbare Juwel der rabbinischen Literatur in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Was übereifrige, manchmal aber auch unwissende Abschreiber hinzugefügt oder deren Unverstand verderbt hatte, das war nun von kundiger Hand hinweggeräumt. Die aus dem Kommentar Raschis zu schöpfende all sabbatliehe Belehrung, — die einige große Lehrer sogar als religiöse Pflicht anempfehlen — konnte nun an der Hand einer zuverlässigen Ausgabe erfolgen. Zugleich war die Möglichkeit geboten, auch die Gewährsmänner des Erklärers zu Rate zu ziehen. Das war gerade damals in dem siebenten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts eine Tat. Einstwar die Wissenschaft des Judentums aus einem der praktischen religiösen Betätigung feindlichen Kreise heraus durch Zunz? Aufsätze: ״Etwas über die rabbinische Literatur“ und ״über Salomo b. Isaac genannt Raschi“, in denKreis der allgemeinen Literatur eingeführt worden — eine Bewahrheitung des Wortes von der ״Kraft, die das Böse will und doch das Gute schafft“ —. Jetzt war, sogar zur Befriedigung weiter, auch in ihrem religiösen Denken und Tun fernstehender Kreise eine wissenschaftliche Leistung vollbracht worden, die, im Boden des überlieferten Judentums wurzelnd, dauernd Früchte hervorbringen sollte. Die Beschäftigung mit dem Kommentar Raschis zur Tauroh führte Berliner zu eingehenden Studien über die Lebens- und Familienverhältnisse des großen Meisters, wobei es ihm gelang, eine von früheren aufgestellte Vermutung von der Existenz eines vierten Enkels des Rabbi von Troyes, des bedeutenden Grammatikers, Salomo ben Meir, recht eigentlich als Wahrheit nachzuweisen, vor allem aber ein sehr reichhaltiges Material für die Geschichte der Erklärungen Raschis zu den verschiedenen Büchern der Bibel, wie auch zum Talmud, den Forschern darzubieten. Recht lehrreich sind dabei Berliners Nachweise