Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham Berliners wissenschaftliche Wirksamkeit. 459 heiligsten Urkunden nur ein Gegenstand philologisch-kritischer Forschung, wie die Geisteserzeugnisse der Schriftsteller anderer Völker, waren, — daß seine Wissenschaft nicht ,.taterzeugend“ war, so daß ״mit ihm seine Weisheit starb“ und keine Schule und kein Schüler sein vermeintliches Lebenswerk, wie er es in seiner ״Urschrift“ der Fachwelt überantwortet zu haben glaubte, fortgesetzt hat. Wenn nun Berliners Tätigkeit eine andere und segensvollere Richtung genommen hat, so hat der Geist seiner Heimat nicht zum mindesten ihn dabei geleitet. In den kleineren Städten der Provinz Posen wirkten und lehrten damals Männer, die noch zu den Füßen der Idealgestalten eines Akiba Eger in Posen und Jakob Lorbeerbaum in Lissa gesessen und deren innige Frömmigkeit und echtjüdisehe Lebensauffassung in sich aufgenommen hatten. Hier pulsierte wahrhaftig jüdisches Leben, das seine Kraft vornehmlich aus dem ״Quell lebendigen Wassers״, aus der Bibel und dem Talmud, schöpfte. Daneben suchte man auch der Jugend, wenn auch nicht immer in regelrechtem Schulunterricht, weltliches Wissen in größerem und geringerem Maßstab zuzuführen. In einem solchen Kreis empfing der Knabe die ersten unauslöschlichen Eindrücke der Wertschätzung unserer Religionsurkunden nach ihrem eigentlichen Gehalt. Das alte und doch ewig junge Bethhamidrasch nahm ihn auf. In diesem Sprechsaal der ״Stimme Jakobs“ war es nun der Klang eines Namens, der einen mächtigen Nachhall in Berliner weckte, der Raschis, des immer bewunderungswürdigen, nie veralteten Erklärers der 24 heiligen Bücher und des geradezu unentbehrliehen Führers beim Studium des Talmuds. Besonders der Kommentar Raschis zur Tauroh, das volkstümlichste Buch der Judenheit, hat bald die Aufmerksamkeit des heranwachsenden Jünglings, der sehr früh schon in seiner Lehrtätigkeit Schüler in das Verständnis dieses Meisters der Auslegung einführen mußte, in nachhaltiger Weise geweckt und ihn so ״lernend und lehrend“ — wie er selbst in seinen Jugenderinnerungen von sich sagt — zum aufmerksamen Studium und zu wissenschaftlicher Vertiefung in das Werk veranlaßt. In eindringender, entsagungs-