Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Biblisclie Motive in Goethes ״Faust“. viduelle und Eigenartige“ seiner Frömmigkeit in jenem Elijah־ gedanken, den er in einem Kernspruch des Dichters erblickt: ״Sollten wir in Blitz, Donner und Sturm nicht die Nähe einer überwältigenden Macht, im Blütenduft und im lauen Luftsäuseln nicht ein liebevoll sich annäherndes Wesen empfinden dürfen?“ 1). Daß dieses Wort sich völlig, fast wörtlich mit dem biblischen deckt, erkennt man auf den ersten Blick, und die Bedeutung im Hymnus der Engelchöre wird nun nicht mehr unterschätzt werden dürfen: eine Grundidee des ganzen Gedichtes wird durch das hohe Erlebnis des jüdischen Propheten deutlich gemacht. Erst nach langem schmerzlichen Irren wird der Held unserer Dichtung erfahren, daß das wahre Glück, das höchste Lebensziel der Menschen auf dieser Welt nicht in dem Wunsch und Streben ruht, im stürmischen Tatendrang der Erde ganzes Weh und ganzes Glück zu tragen, im prometheisehen Drange die Pforten dieser Welt zu sprengen, um durch alle Schrecken und Wunder zu einem irrig ersehnten höheren Dasein zu gelangen, er wird vielmehr das wahre Ideal am Schluß seines Erdenwallens in jener begrenzten Sphäre erschauen, die schon der Engel Lobgesang gewürdigt hat. ״Denn wer etwas Treffliches leisten will, Hätt? gern etwas Großes geboren, Der sammle still und unerschlafft Im kleinsten Punkt die höchste Kraft.“ Solches Ideal hat der Sterbende als ״der Güter Höchstes“ erkannt, ״im Vorgefühl von solchem hohen Glück“ von ״dem höchsten Augenblick“ seines Lebens Abschied genommen. Die Engel aber bedürfen solchen Lebenskampfes nicht; sie verkünden schon vorher der ״Weisheit letzten Schluß“ wie die Gottheit selbst den Ausgang der Prüfung. Auch künstlerisch hat Elijahs Gestalt und Geschick befruchtend gewirkt. Zunächst sein Ende, die Fahrt gen Himmel auf feurigem Wagen. In einem Jugendwerk der Geschichte Gottfriedens die ersten leisen Anklänge; stärker *) Werke (Hempel) 19,121 Siebeck S. 142.