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Jeschurun · 1915-10-01 · Heft 10 (Oktober 1915) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 10 (Oktober 1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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450 Biblische Motive in Goethes ״Faust“. die Faustdichtung in Einzelgedanken vertieft, in Einzelbildern künstlerisch gehoben. Die Erkenntnis, die der Seher in der Wüste gewonnen, daß nicht im Sturmesbrausen, nicht im Feuerwüten die Allmacht Gottes sich kundtut. vielmehr im leisen Säuseln sieh offenbart, wird in dem himmlischen Prolog von den Engeln in ihrem Lob־ gesang zur hohen Lehre verkündet. Jeder von ihnen hat Auge und Ohr für die gewaltigen Wunder des Universums und preist mit ergriffener Seele die überwältigende Größe des Weltenlaufs. Ob Raphael den ..Donnergang“ der Sonne ehrfürchtig lobt, ״Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke, Wenn keiner sie ergründen mag, Die unbegreiflich hohen Werke Sind herrlich wie am ersten Tag“ ob Gabriel die Erdenpracht im Hymnus besingt, wo ״Paradieseshelle wechselt mit tiefer, schauervoiler Nacht“, im Geiste aller lehrt Michael die biblische Wahrheit, daß ״die ruhige Stetigkeit des Naturlaufs der höheren Erkenntnis ein deutlicheres Zeichen der Allmacht Gottes ist als die großen, erschütternden Unterbreehungen durch Sturm und Gewitter“ *), und so verehren die Boten des Herrn ״das sanfte Wandeln“ im täglichen irdischen Geschehen als die gleiche Offenbarung göttlicher Kraft und Größe. Als ein ״Wunderwerk von Rhythmus und Melodie“ hat man den Wechselgesang der Engel gepriesen: ,,Orgeltöne so tief und klangvoll und Silbenharmonien von solchem Reichtum, daß sie in uns Ahnungen von endloser Ausdehnung erregen“ * 2). Dies die allgemeine Empfindung. Aber weil der Zauberklang der Worte also wirkte, hat man die Frage nach dem Zwecke des Gesanges bisher nicht gestellt, und die Bedeutung der tiefen Wahrheitslehre für das Werk selbst nicht gewürdigt. Nicht als stimmender Akkord, wie die Eingangsfieder im ״Teil“ sind der Engel Worte in der Dichtung vorangestellt. Goethe liebt es, schon früh in irgend einer Form den Weg oder das Mittel anzudeuten, das den Schlüssel zur Lösung des Problems enthält. ג) Witkowsky II S. 197. 2) Boyesen, Kommentar S. 23.

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