Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Optimistische und pessimistische Weltanschauung. schärfsten wird dieses Problem im Buche Job gestellt. Es bildet den Kernpunkt des Buches, wenn auch darüber hinaus pessimistische Betrachtungen über das Leben im ganzen daran geknüpft werden. Der Meinung seiner Freunde, daß Sünde und Leiden immer einander entsprechen, tritt Job im Gefühl seiner Unschuld mit scharfen und treffenden Worten entgegen. Die Beden Elihus sprechen den Gedanken aus, daß Leiden auch zur sittlichen Läuterung verhängt werden können. Noch mehr aber erscheint das Moment hervorgehoben, daß der Mensch, der die erhabenen Werke Gottes nicht zu begreifen vermag, sich auch nicht erkühnen darf, sein Walten und seine Vorsehung durchdringen zu wollen. Im Talmud finden sich, wie bereits angedeutet, auch manche Aussprüche, die zum Pessimismus neigen. ״Zweiein־ halb Jahre, heißt es an einer Stelle (Erubin 13 b), stritten die Schulen Schammais und Hilleis; die einen sagten: Es ist besser für den Menschen, daß er geschaffen ist, als wenn er nicht geschaffen wäre. Die andern sagten: Es wäre besser für ihn, er wäre nicht geschaffen worden.“ Schließlich einigte man sich dahin, daß es besser wäre, nicht geschaffen zu sein. Nachdem der Mensch aber einmal geschaffen ist, sei er bestrebt, seine Taten immer rückschauend zu prüfen, d. h. immer vollkommener zu werden. Der Mensch soll überhaupt nicht das Verlangen hegen, hier auf Erden das Glück zu finden in dem Sinne, wie es die große Menge auffaßt; denn ״diese Welt gleicht nur einer Vorhalle gegenüber der künftigen Welt“, sie ist nur der Ort der Vorbereitung für das Jenseits. Aber der Grundton in der Weltanschauung der Talmudweisen ist dennoch durchaus optimistisch. Das zeigt sich besonders in der Vorschrift, daß man Gott ebenso für die traurigen Schickungen preisen müsse wie für die freudigen; denn ob er sich als strafender Bichter oder als gütiger Vater offenbart, es bleibt derselbe Gott, und מרת הרחמים und מדת הדין sind nur verschiedene Arten seines Waltens. Das Mißverhältnis zwischen Tugend und irdischem Glück wird rückhaltslos anerkannt. B. Jannai sagte sogar: ״Wir wissen nichts zu sagen über das Glück der Frevler noch