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Jeschurun · 1915-10-01 · Heft 10 (Oktober 1915) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 10 (Oktober 1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Optimistische und pessimistische Weltanschauung. 441 fluß der jüdischen Kultur das stärkste Hindernis für die Verbreitung seiner Anschauungen bildet, und darum wird er nicht müde, das Judentum mit wütendem Eifer zu bekämpfen. ״Es ist als ein Unglück anzusehen, sagt er, daß das Volk, dessen gewesene Kultur der unsrigen hauptsächlich zur Unterlage dienen sollte, nicht etwa die Inder oder die Griechen oder auch nur die Römer waren, sondern gerade diese Juden“. Und über das טיב מאד der Bibel, über den jüdischen Optimismus ergießt er die ganze Schale seines Zornes. Er bezeichnet diesen Optimismus nicht nur als absurd, sondern auch als ruchlos und niederträchtig, als einen Hohn über die namenlosen Leiden der Menschheit. Das Christentum, sagt er, ist seinem innersten Wesen noch pessimistisch, denn es hat indisches Blut in sich. Es lehrt, daß die Welt voll von Leiden sei, daß man ihren Genüssen entsagen, sie verneinen müsse. Die Verbindung zwischen dem Alten und Neuen Testament ist deshalb auch eine rein äußerliehe, ihrem Wesen nach sind sie verschieden; denn jenes ist Optimismus, dieses Pessimismus. Um die Gegnerschaft Schopenhauers mit seinem Pessimismus gegen den jüdischen Optimismus richtig zu erfassen, müssen wir uns die Bedeutung dieses Pessimismus zuvörderst klar machen. Es gibt zweierlei Arten von Pessimismus: den genußsüchtigen und den religiös-moralischen. Schopenhauers Lehre enthält beide, obwohl sie eigentlich nichts miteinander gemein haben. Der religiös-moralische Pessimismus will durch die Tiefe der Welterkenntnis zur Weltentsagung und Willens- Verneinung, zur Askese führen. Das Judentum ist zwar seinem Wesen nach auch diesem Pessimismus nicht zugetan, aber es widerspricht ihm nicht geradezu. Daß die Genüsse der Welt eitel sind und keine Befriedigung gewähren, daß sie viele Leiden in sich birgt, spricht auch Kobeleth aus. Daß die Menschheit eine sündige, daß die Tugend selten und das Laster häufig ist, ist eine Wahrheit, der sich niemand verschließen kann. Also Ansätze zu einem solchen Pessimismus sind auch im Judentum vorhanden, auch einzelne der Weisen des Talmud sprechen sich in diesem Sinne aus. und es hat in der Tat solche Richtungen

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