Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Optimistische und pessimistische Weltanschauung. gewöhnlichen Sinne meint. Er scheint mit dem ״guten Herzen“ eine Weltauffassung zu charakterisieren, die alles von der guten Seite betrachtet, die dazu neigt, allen Menschen, allen Situationen und Verhältnissen eine gute Seite abzugewinnen, die auch bei den bittersten Lebenserfahrungen niemals an der Welt und an der Menschheit verzweifelt, die also einem heiteren, lebensfrohen Optimismus huldigt. Und mit ״dem bösen Herzen“ bezeichnet er jene trübselige, weit- und menschenfeindliche Betrachtungsweise, die überall nur die Schattenseiten des Lebens erblickt, der darum die Welt ihrem Wesen nach als der Abfall vom Guten erscheint. Es ist nicht zu verwundern, wenn bei dieser jüdischen Grundanschauung die pessimistischen Philosophen die heftigsten Gegner des Judentums sind. In der Behauptung Eduard v. Hartmanns, daß der Pessimismus die Grundlage alles religiösen Empfindens sei, liegt insofern etwas Richtiges, als die Erkenntnis der Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens für den Menschen den stärksten Antrieb bildet, über dieses Dasein hinauszustreben und nach den ewigen Werten zu forschen, die das Bleibende sind in der Erscheinungen Flucht. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß jede Religion notwendig pessimistisch sein, daß sie die Zurückziehung vom Leben, den Verzieht auf jeden Genuß predigen müsse. Der Vorzug des Judentums besteht gerade darin, daß es das Leben durchdringen, daß es auch den Genuß und die Freude weihen und heiligen will- Und gerade שמחה של מצוה die innige Freude vor Gott ist nach jüdischer Auffassung der Quell wahrhafter religiöser Begeisterung, die Voraussetzung für ה״שראת ״שבינה, für die Fähigkeit der göttlichen Inspiration. Die Gegnerschaft Hartmanns gegen das Judentum liegt übrigens mehr in anderen Momenten als in seinem Pessimismus. Weit schärfer als er und, wie es seiner Art entspricht, auch in der Form weit heftiger und leidenschaftlicher wendet sich Schopenhauer gegen die jüdischen Ideen. Schopenhauer ist unter den modernen Philosophen derjenige, der den Pessimismus am konsequentesten zum System ausgebaut hat. Er hat das instinktive Gefühl, daß der Ein*