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Jeschurun · 1915-10-01 · Heft 10 (Oktober 1915) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 10 (Oktober 1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Optimistische und pessimistische Weltanschauung. 439 Einfluß. Der konsequente Monotheismus, die Überzeugung, daß die Welt• von einem all weisen, allgütigen und allgerechten Gotte geschalten und geleitet sei, ließ einen solchen lebenverneinenden, verzweifelnden Pessimismus nicht aufkommen. Am Schlüsse des Schöpfungswerkes heißt es: ״Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut“, und diese optimistische Beurteilung bildet den Grundton jüdischer Weltbetrachtung. Gleich als wollten sie betonen, daß dieses Urteil nicht etwa oberflächlich und gleichgültig über die unendlichen Leiden der Menschheit hinwegsieht, daß es vielmehr trotz dieser Leiden festgehalten werden muß, fügen die Midraschlehrer zu diesem טיב מאך die Worte hinzu זה המות und זה יצר הרע, daß auch der Tod und die Sünde nicht davon ausgeschlossen sind. Und so haben auch die herbsten Schicksalsschräge, die schwersten Erschütterungen diesen jüdischen Optimismus nicht wesentlich zu beeinflussen vermocht. Wie wenig äußere Schicksale diese Betrachtungsweise zu ändern vermochten, zeigt das Beispiel von R. Akiba. Er hat Zeiten erlebt, die in jedem anderen den Optimismus und die Hoffhungsfreudigkeit gänzlich vernichtet hätten: er sah den Untergang des jüdischen Staates, er war Zeuge des letzten Heldenkampfes unter Bar Kochba, den er zuerst selbst für den Erlöser gehalten hatte, und er erlebte auch noch die furchtbaren hadrianischen Verfolgungen, die dem Untergang Bethars folgten und denen er schließlich selbst zum Opfer fiel. Und 11. Akiba war es, der nach dem Vorgang seines Lehrers Nachum die Devise hatte: ,,Was der Allbarm־ herzige tut, tut er zum Guten“. Eine Gegenüberstellung optimistischer und pessimistischer Weltbetrachtung kann man auch in der Miscbna Aboth II, 14, 10 erblicken. Da fordert R. Jochanan ben Sakkai seine Schüler auf, ״den guten Weg zu bezeichnen, an dem der Mensch festhaiten soll“. LTnd die Palme erringt mit seiner Antwort II. Elasar ben Arach, der als das wichtigste ״ein gutes Herz“ bezeichnet. Ebenso wird auch bei der gegenteiligen Frage seine Antwort, daß ״ein schlechtes Herz“ das schlimmste sei, allen anderen vorgezogen. Es ist klar, daß R. Elasar nicht das gute oder böse Herz im 29*

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