Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Talmud über die letzten 8 Verse der Thora. 43! Schrift wieder zum Vorschein bringt, heißt: מיא דנרא (nach Aruch: Saft aus Granatschalen). Der Jeruschalmi (Sabbat 12,4: Gittin 2,3) erzählt: Die Morgenländer sind sehr klug. Wenn einer dem anderen ein Geheimnis mitteilen will, schreibt er ihm einen Brief mit מי מילין. Der Empfänger des Briefes gießt galläpfellose Tinte darauf, wodurch die Schrift zum Vorschein kommt. Solche Mittel, um eine geheime Schrift herzustellen, werden von alten Schriftstellern vielerlei erwähnt. Plinius (H. N. 36,8) schlägt zu diesem Zwecke Pflanzen vor, welche Milchsaft enthalten (vgl. Pauly,Realencyelopädie v. Atramentum). Solche Flüssigkeiten werden jetzt mit dem Ausdruck ״sympathetische Tinten“ bezeichnet. Es gibt auch Flüssigkeiten zum Schreiben, von welchen Buchstaben entstehen, die für den Augenblick nicht sichtbar sind, aber nach einiger Zeit von selbst zum Vorschein kommen. Eine derartige sympathetische Tinte mag hier an unserer Stelle unter דמע zu verstehen sein. Im Arab. heißt דמעה aus Pflanzen träufelnder Saft oder Harz, und so mag auch zur Zeit der Tannaim ein zur Geheimschrift gebrauchter Saft דמע genannt worden sein (vgl. Ramban zu Exod. 22,28). Es fragt sich nur, wie die Halacha zu einer solchen verborgenen, später durch irgend ein Mittel zum Vorschein gebrachten Schrift sich verhält. Der פרי הדש zu Eben Haeser 125,4 entscheidet hierüber mit Bezugnahme auf den oben zitierten Jeruschalmi bezüglich eines Get, wo gesagt wird: וכתב ולא השופך (man soll schreiben,, aber nicht die Tinte hingießen), daß. wenn man einen mit מי מילין geschriebenen יגט nachdem die Buchstaben unsichtbar geworden, mit מיא דנרא übergießt und dadurch die Schrift sichtbar macht, ein solcher Get פסול ist, weil derselbe nicht geschrieben, sondern durch Übergießen mit einer Flüssigkeit hergestellt ist. So der Pri chadasch. Diese Entscheidung wird von R. David Friedmann (Karlin) in seinem trefflichen Werke פסקי הלכות I S. 476 angezweifelt mit den Worten: Der Jeruschalmi schließt vielleicht שופך nur dann aus, wenn die ursprüngliche Schrift שלא לשמה geschah, so daß man sich auf die spätere Schrift verlassen muß, die aber als שפיכה keine richtige Schrift