Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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430 Der Talmud über die letzten 8 Verse der Thora. Worte bei seinem Leben schreiben konnte, bloß damit beantwortet wird, daß er dies auf göttlichen Befehl geschrieben hat. Es ist daher gerade die von R. Jakob Emden (a. a. 0.) zurückgewiesene Erklärung einleuchtender, daß בדמע das Material bezeichnet, womit Mose diese Verse geschrieben hat, wie dies bereits Raschba (zitiert im ״En Jakob ״) und מהרש״א erklären, was merkwürdigerweise von R. Jakob Emden ignoriert wird. Vgl. auch עשרה מאמרות II 13, wo דמע ebenfalls als das Schreibmaterial gefaßt wird. Deutlich ist dies zu finden im Midrasch haggadol zu Deut. 34, wo unsere Talmudstelle folgenden Wortlaut hat: עד כאן הקב״ה אומד ומשה כותב בדיו מיכן ואילך הקכ״ה אומר ומשה כותב בדמע (vgl. Midrasch Tannaim zu Deut. S. 224, Note). Hier ist also דמע dem דיו entgegengesetzt. Freilich, wenn man, wie gewöhnlich דמע mit ״Träne“ übersetzt, ist der Einwand des R. Jakob Emden ein sehr gewichtiger. Da doch die mit דמע geschriebene Schrift unsiehtbar (oder wenigstens nicht lesbar) war und erst später (etwa von Josua) mit Tinte üherzogen werden mußte, so ist ja mit dieser Angabe die Frage ״אפשר ס״ת הסר אות אחת״ nicht beantwortet. Es erweist sich daher die Notwendigkeit, das Wort דמע hier nicht als ״Träne“, sondern als ein anderes Schreibmaterial zu fassen 1). In Grittin 19b ist von einer unsichtbaren Schrift die Rede, die erst durch Befeuchten mit einer anderen Flüssigkeit zur Erscheinung kommt. Geschrieben wird mit מי מילין (nach Raschi Galläpfelwasser)2). Die Flüssigkeit, welche diese verborgene *) In dem zu Halberstadt unter dem Titel אדרת אליהו gedruckten Kommentar zur Thora von E. Elia Wilna befindet sich am Schlüsse eine Auseinandersetzung dieses ״Gaon“ über unsere Stelle, wobei er auch gegen die gewöhnliche Erklärung schwere Bedenken geltend macht, schließlich בדבלע im Sinne von ״vermischt* nimmt und zur ganzen Stelle eine kabalistische Erklärung gibt, die auch von E. J. Z. Mecklenburg (הכתב והקבלה) angenommen wird. Hiernach sollen die beiden Aussprüche der Tannaim nicht einander widersprechen. Doch soll hier nur der einfache Wortsinn der Stelle gesucht werden. 3) L. Löw (Graph. Eequis. I 109) übersetzt: ״Wasser der Eschenrinde“ (jjiclCa); doch hat ee der Talmud nicht so gefaßt.