Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosch-ha-S chanah-Symbole. 419 reichen moralischen Betrachtungen, welche auf die Natur des Fisches Bezug nehmen, in Aboda zara 3b und Berachoth 20b und welche die Allegoristen noch erweitert haben, indem sie u. a. in den Fischen, deren Augen — in Ermangelung der Augenlider — stets geöffnet erscheinen, ein Bild der weit geöffneten himmlischen Vorsehung erblickten — lauter Betrachtungen, die sich für den ernsten Tag, in welchem Gott über die Menschen Gericht hält und deren Schicksale bestimmt, wohl eignen und auf welche bereits Ganzfried in seinem Kizzur Sch. A. kurz zusammenfassend verwiesen hat. In diesem Zusammenhang möchten wir auf eine merkwürdige Stelle aufmerksam machen, die sich am Eingänge der Rede, die Jakob Grimm zum Andenken Schillers in der feierliehen Sitzung der Königlichen Akademie der Wissenschaften am 10. November 1859 gehalten hat (2. Abdruck, Berlin 1859), findet: ״Als Petrarka״ — so beginnt die Rede — ״schon vor fünfhundert Jahren von Frankreich aus zu Köln, damals der größten deutschen Stadt, unseren Boden betrat, zog ihn ein Schauspiel an, wie es seine Augen nirgendwo erblickt hatten. Es war Johannisabend; er sah Scharen des Volkes wallen an des Rheines Ufer, zierlich gekleidete, mit Kräutern gegürtete Frauen ihre weißen Arme aufstreifen und zum Strome tretend unter Gesängen oder leise gemurmelten Sprüchen diese Kräuter in die Flut werfen. Auf sein Befragen erfuhr dann der fremde Gast, es sei ein althergebrachter Brauch, den man alljährlich wiederhole, auch in künftigen Zeiten nicht unterlassen dürfe. Dem Volksglauben gelte für wahr, daß mit den eingeworfenen rheinab fließenden Kräutern alles Unheil des nächsten Jahres weggeschwemmt werde*. — Hier tritt uns eine Art *Taschlieh״ als uralter deutscher Brauch entgegen, von welchem der italienische Lyriker so entzückt war, daß er ihn nach der Tiber verpflanzt wünschte. Es ist schwer zu sagen, wo er ursprünglich gewesen, da die Völkerfamilien und Religionen in Sitten und Bräuchen sich in erheblicher Weise beeinflußt haben. Für die Wertung einer Sitte ist auch der Ursprung von untergeordneter Bedeutung; die Hauptsache ist die Ausgestaltung, die