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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
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418 Rosch-ha-Schanah-Symbole. handelt und in dem beweglichen Satz Psalm 69,2 ausklingt: *Hilf, o Gott! Denn die Fluten dringen mir ans Leben״, liegt der Handlung nur der ethische Gedanke zugrunde in der Erfüllung der gottgebotenen Pflichten, Abraham gleich, sich durch kein Hindernis abhalten zu lassen. So ist die ursprüngliche Sitte, wie sie R/ma mit schlichten Worten anführt, wohl von einem Hauche stimmungsvoller Poesie getragen, aber von keinem mystischen Dunst umhüllt. Erst die Hinzufügung Späterer, daß die Wasser, an die man sich begibt, von Fischen belebt sein sollen, hat die Handlung mit einem geheimnisvollen Zauber umgeben und ihr die eigenartigsten Begründungen gebracht. Die Beobachtung, daß die sie ausführenden Juden bei den Gebetsworten: ״Wirf in des Meeres Tiefe unsere Sünden‘4, eine schüttelnde Bewegung machen, führte zu dem Glauben, die Sitte bezwecke ein symbolisches Abschütteln der Sünden auf die davoneilenden Fische und habe ihr Seitenstück in den Vor- Schriften im III. B. M. 14,7 und 16,21. Wie dort der Vogel die Sünden des Aussätzigen in die Lüfte, der Bock die des Volkes in die Wüste, so soll hier der Fisch sie hinab ins Meer tragen. So wenigstens findet sich die Sache im dem 1603 erschienenen Werke Synagoge judaica von Johann Buxtorf dargestellt und mit einigen abstrusen Zutaten in Paul Chr. Kirchners Jüdischer Zeremonie, Nürnberg 1724. In Wahrheit lag nichts dem Geiste der Alten ferner als eine solche unstatthafte Nachbildung jüdischer Satzungen. Wenn sie נהר שיש בו דגים als für die Handlung besonders geeignet empfohlen haben, so waren sie hierbei von Gedanken, wie sie sich aus Koheleth IX 12: ״Kein Mensch weiß seine Zeit (sein ihm bevorstehendes Schicksal), wie die Fische, die arglos im Netze sich verfangen und wie die Vögel gefangen werden in den Schlingen“ und der moralischen Verwertung des Satzes in den haggadischen Schriftauslegungen ergeben, geleitet, indem sie eine Verstärkung der Bußanregung darin erblickten, wenn der Brauch an einem von Fischen belebten Flusse vollzogen wird. Man vergleiche auch die an den Satz Habakuk 1,14; ״ ותעשה אדם בדגי היםDu machtest die Menschen gleich den Fischen des Meeres44 angelehnten zahl-

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