Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Ans meinen Kriegserlebnissen. 407 und sie auch zu dieser Tätigkeit hinüb erzuziehen. Wem es Ernst mit der Schaffung normaler Zustände unter den jüdischen Massen ist, der muß wünschen, daß diese Bestrebungen nicht Experimente einzelner bleiben, sondern daß überall in großzügiger Weise ähnliche Institutionen gefördert werden. Unter den vielen, hoffentlich nicht für uns zu vielen Aufgaben, die der Frieden uns bringen wird, ist diese nicht der unwichtigsten eine. Erst so werden wir innerlich kräftiger werden und auch nach außen hin so wirken1). Wir sitzen im Schützengraben und hören auf die bekannte Melodie des Krieges, zu der das regelmäßige tak-tak-tak der Maschinengewehre den Takt schlägt. Im großen Bogen kommen die Granaten geflogen, und in weißen Wölkchen explodieren die Schrapnells hoch oben hinter unseren Linien. Wer keinen Dienst hat, zieht sich in seinen Unterstand zurück und ruht aus, macht Besuche beim Nachbar oder liest. Bei der Stelle im Jesaja: ״Sie werden umschmieden ihre Schwerter zur Pflugschar“ entsinkt mir das Buch. Umschmieden — einst, in den Zeiten des Messias. Nein. Schon jetzt, schon heute muß das Schwert eine Pflugschar sein, wenn dieser riesengroße Krieg einen Sinn haben soll. Auch der Pflug reißt Wunden, wie das Schwert, tiefe Wunden. Auch der Pflug zieht dahin über friedliche Felder und wühlt die Erde auf, über die er hingeht. Aber das Schwert muß eine Pflugschar sein, die die Wunden nur aufreißt, damit der Same künftigen Lebens in die Furchen eingestreut wird. Aus den Wunden soll junges Leben, keimfrohe Zukunft sprießen. So lernet den Krieg empfinden, nicht nur die, denen das Schwert *) Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei hinzugefügt, daß die Bemerkungen über die Verhältnisse innerhalb der Judenheit sich nur auf die Juden Polens beziehen sollen. Das übrige Rußland habe ich nicht kennen lernen können. Dort sollen nach Berichten von Kameraden, die z. B. iu Litauen gekämpft haben, die Dinge anders liegen und die jüdische Bevölkerung soll dort einen vorzüglichen Eindruck auf unsere Offiziere und Mannschaften gemacht haben. 27*