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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 66)
Language
German
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406 Aus meinen Kriegserlebnissen. sonst im Lande leben. Was sie während des Krieges von den Soldaten des eigenen Landes zu leiden hatten, ist durch die Zeitungen der Welt bekannt geworden. Wer sie liest, weiß, wie die Schrecknisse des Krieges vor diesen raffinierten Torturen an Wehrlosen verblassen. Hier aber sieht man auch hinein in die Verhältnisse der Juden in normalen Zeiten. Wie sie durch Zarentum und polnische Willkür systematisch gepeinigt werden. Wie sie durch ausgeklügelte gesetzgeberische Maßnahmen, die durch hartherzige Exekutive noch verschärft worden sind, in anormale Verhältnisse hineingepreßt worden sind. Der Aufstieg in höhere Berufe wird ihnen verwehrt, in den Berufen, die ihnen geblieben sind, werden sie durch endlose Schikanen gepeinigt. Es ist ein Schrecken ohne Ende, eine Spannung, die sich nicht selten in Katastrophen entladet. Und was noch schlimmer ist — auch die Ein- Wirkungen auf die Moral dieser überall eingeengten Menschen bleiben nicht aus. Wenn irgendwie der Wunsch nach übereiltem Frieden unangebracht ist, so ist er es vom jüdischen Standpunkte. Soll der Krieg, den wir mit so viel Aufopferung geführt haben, nicht für uns Juden vergeblich gewesen sein, dann muß er mit der Vernichtung dieses Regimes enden, dann muß er die Grenzen der Zivilisation vorwärtsrücken in das Land, das die überwiegende Mehrzahl unserer Glaubensgenossen beherbergt. Allerdings — die Hemmnisse für die normale Entwichelung liegen z. T. auch auf jüdischer Seite. Denn wie die anderen den Aufstieg in höhere Berufe uns nehmen, so machen sich die Juden selbst die Betätigung in ״niederen“ unmöglich. So sind sie zwar in manchen Handwerksberufen mehr oder weniger stark vertreten. Aber es ist grotesk und traurig zu sehen, wie jeder Kaufmann, auch der unterste Trödler auf die Handwerker herabblickt. Anfänge zur Reformierung sind allerdings gemacht worden. Die Handwerk-Talmud-Thora bildet fachmäßig geschulte Kräfte heran und eine Weberei in Lodz ist zu dem Zwecke in Betrieb genommen worden, jüdischen Arbeitern Beschäftigung zu geben

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