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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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Von den 613 Gesetzen. 395 fiehlt, z. B. das Gebot am Sabbat zu ruhen und das Verbot an ihm zu arbeiten; das Gebot der Kasteiung am Versöhnungstage und das Verbot etwas zu genießen. Aber auch hier decken sich Gebot und Verbot nicht völlig, da noch keine positive Sabbatruhe erzielt ist, wenn bestimmte Tätigkeiten unterlassen werden, und das Gebot der Kasteiung noch etwas mehr besagt als das Verbot von Speise und Trank. In allen diesen Fällen zählt Maimonides (Kegel 6) zwei Gesetze. Wo dagegen Gebot und Verbot etwas völlig Kongruentes enthalten, zählt er nur ein Gesetz3), z. B. (3. B. M. 19,23) ״Drei Jahre sollen sie (die Fruchtbäume) euch Orla sein, es soll nichts davon gegessen werden.“ Da hier Gebot und Verbot identisch sind, so sind sie nur die wiederholte Einschärfung eines Gesetzes und werden daher von M. nur als eine Nummer gerechnet (V. 192). Ebenso verfährt er z. B. bei dem Gesetz (5. B. M. 24,10 f.), daß der Gläubiger bei der Pfändung nicht das Haus des Schuldners betreten, sondern draußen bleiben soll. Auch hier zählt er nur das Verbot (V. 239), dagegen nicht das Gebot, draußen zu bleiben, weil Verbot und Gebot kongruent sind. Anders liegt die Sache in Fällen wie die folgenden: Bei mehreren Sätzen, die eine positive und eine negative Bestimmung enthalten, und bei denen die positive Bestimmung nach dem einfachen Wortsinn eine Erlaubnis (Ihr dürft) und nicht ein Gebot (Ihr sollt) enthält, fügt die Halacha hinzu: ״Das ist ein Gebot“. Z. B. ״Dies sind die Tiere, die ihr essen dürft von allem Vieh“ (3. B. M. 11). Bei diesem und bei den folgenden Speisegesetzen desselben Kapitels (ebenso 5. B. M. 14) fügt die Halacha die Bemerkung hinzu: ״Das ist ein Gebot“ (Sifra, Sifre). Nun kann es doch die Halacha unmöglich als eine religiöse Pflicht hingestellt haben, Vieh, Fische, Vögel. Heuschrecken usw. zu essen, dergestalt, daß derjenige, welcher vegetarisch lebt oder eine dieser Tiergattungen nicht genießt, נ) Durch diese Formulierung erledigen sich m. E. viele Kontroversen.

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