Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292951--00898-2294144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wie können wir im Felde die Ehre des Judentums wahren? 379 sache: Wenn wir dank der beispiellosen Opferwilligkeit der Eltern, Verwandten und Bekannten ständig mit Konserven und anderen Nahrungsmitteln versorgt werden und die Postverbindüng derart geregelt ist, daß wir täglich in ihren Besitz gelangen, so sind wir unzweifelhaft verpflichtet, die verbotenen Speisen zu meiden. Der Umstand, daß wir auch im Felde rituell zu speisen versuchen, bringt es mit sich, daß die Gaben aus der Heimat für uns reichlicher fließen als für die meisten unserer Kameraden und jede Bevorzugung erzeugt leicht Neid und Mißgunst. Wie in Friedenszeiten die Einjährig-Freiwilligen infolge ihrer Ausnahmestellung den übrigen ein Dorn im Auge sind, so werden jetzt die reicher Bedachten oft mit scheelen Augen angesehen. Es kommt nun darauf an, unserer Umgebung immer wieder klar zu machen, daß wir nicht deshalb auf das Essen aus der Feldküche verzichten, weil es uns etwa nicht fein und schmackhaft genug ist, sondern einzig und allein in Befolgung einer religiösen Vorschrift. Daß es sich so verhält, werden sie nur schwerlich glauben, bei ihnen wird durch unsere umfangreiche Paketpost die irrige Meinung, daß jeder Jude ein Krösus sei, nur noch bestärkt. Daß Leute, die auch sie für nichts weniger als für begütert ansahen, die schwersten Opfer für ihre Überzeugung bringen, daß man Gott mit seinem ganzen Vermögen zu lieben imstande ist, will ihnen nicht einleuchten, und das kann man ihnen auch kaum begreiflich machen. Allgemein vermag man ihnen ein Verständnis für die jüdische Pflichtenlehre abzugewinnen durch einen Vergleich mit dem Militärdienst. Wir legen ihnen dar, daß all’ die Eigenschäften, die der junge Mann beim Militär sich aneignen soll, wie unbedingter Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit, die Fähigkeit, Anstrengungen zu ertragen u. v. a. m. die Schule des Judentums uns vermittelt. הלא צבא לאנוש עלי ארץ Einen Heeresdienst hat der Mensch, der jüdische Mensch auf Erden zu erfüllen, wir sind die צבאות ה׳ Soldaten Gottes. Ob eine logische Begründung aller Gebote möglich und gestattet ist, bleibt bekanntlich strittig. Nichtjuden gegenüber, zur Vermittlung eines besseren Verständ-