Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292951--00894-2294140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wie können wir im Felde die Ehre des Judentums wahren? 37 g uns nicht nahen kann, auch wenn Tausende und Zehntausende neben uns fallen. Und wir wissen nicht minder, daß, wenn ein unerforschlicher, göttlicher Wille es anders bestimmt, wir Gott nicht entfliehen können: ״Unsere Füße sind unsere Bürgen“, sie führen uns an den Ort, wo unser Schicksal unserer wartet. In bezug auf die eigentlichen moralischen Pflichten harrt unser eine schwierige Aufgabe. In unserem Gesetzbuch prangt mit goldenen Lettern die Warnung: והיה מחנך קדוש ״Dein Lager sei heilig!“ Im Krieg, wo die Leidenschaft ungezügelt wüten und toben kann, wo die Bande der Zucht und Ordnung gelockert werden, da tönt es uns entgegen: Dein Lager sei heilig, ja, ״Hüte Dich vor jedem bösen Wort!“ In welcher Ethik außer der jüdischen ist diese Forderung zu linden? Und in der Tat, selbst im deutschen Heer, dem besten in jeder Hinsicht, wird diesem Ideal nicht genügend entsprochen. Es soll das günstige Bild, das jedermann vom deutsehen Vaterlandsverteidiger besitzt, in keiner Weise getrübt werden. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Es mag ferner zugegeben werden, daß, wie in allen anderen Beziehungen, auch in diesem Punkt die deutsche Art im Vergleich zu der anderen wie eine Kose zwischen Dornen steht. Wir erinnern nur an die Vergleiche, die oft gezogen wurden zwischen den Büchern, die in den Tornistern deutscher Soldaten und den Bildern, die bei den französischen gefunden werden. Nur an dem Maßstab unserer heiligen Lehre gemessen, ist unser Heer nicht auf der Höhe. Schon in manchen Soldatenliedern, die wir, wenn nicht mitzusingen, so doch anzuhören gezwungen sind, wird über Dinge, die in der gesamten jüdischen Literatur mit unendlich zarter Keuschheit und edler Zurückhaltung behandelt werden, in einem Tone gesprochen, der das Ohr eines echten Jehudi beleidigen muß. Und nun gar in der gewöhnlichen Unterhaltung, deren Niveau natürlich bei weitem tiefer steht als das der Lieder. Unsere Pflicht besteht zunächst darin, uns an den häßlichen Gesprächen nicht zu beteiligen, die unkeuschen, unsittlichen Ausdrücke zu überhören. Eine herrliche Lehre geben uns unsere "Weisen, indem sie das bei den Vorschriften über das Lager- 25*