Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292951--00893-2294139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
374 Wie können wir im Felde die Ehre des Judentums wahren? dafür verstellst du es, dank deinen französischen Kenntnissen, an unserem Ruheort den Verkehr mit der Zivilbevölkerung zu vermitteln“. Es kommt eben nicht so sehr darauf an, wieviel wir erreichen, als vielmehr auf die Gesinnung, in der wir zu schaffen bemüht sind. Es darf bei der uns ungewohnten und unbequemen Beschäftigung kein Laut der Unzufriedenheit unseren Lippen entfahren, wir müssen trotz körperlicher Anstrengungen und Schmerzen leiden lernen, ohne zu klagen, unser Eifer darf nicht erlahmen, die Flamme auf dem Altar unserer Vaterlandsliebe soll ständig emporlodern und darf nie erlöschen. Wenn wir gern und freudig unsere Pflicht zu erfüllen bestrebt sind, dann sind wir frei vor Gott und Menschen. Daß wir, wenn die Umstände es einmal erheischen, kraftvolle Ausdauer und heldenmütige Tapferkeit an den Tag legen, bedarf auch keiner weiteren Erörterung. Wir dürfen uns nur nicht der Hoffnung hingeben, durch ein besonderes tapferes und opferfreudiges Verhalten die Ansichten unserer Umgebung über Mut und Kühnheit der Juden zu verbessern. Ich erinnere mich eines Vorfalls aus der Garnison. Ein neuer Truppentransport stand bevor, und unsere Kompagnie wurde gefragt, wer von den Unteroffizieren freiwillig mit hinausziehen wolle. Es meldete sich nur ein einziger—ein Jude. Statt nun dessen Verhalten lobend anzuerkennen, machte unter den Kameraden die Bernerkung die Runde: ״Der Jude meldet sich, um schneller befördert zu werden“. Den von Vorurteil gegen die ehrliche Gesinnung der Juden Befangenen wird es niemals einleuchtend erscheinen, daß wir gute und edle Taten um ihrer selbst willen auszuführen imstande sind, daß wir König und Vaterland treu dienen ohne Absicht, einen Lohn dafür zu empfangen. Wir dürfen andererseits niemals, auch nicht in der größten Gefahr, versagen, daß wir etwa bei heftigem Artilleriefeuer ohne besonderen Befehl unseren Posten verlassen. Wie sollten wir als gläubige Juden ängstliche Furcht unserer .Herr werden lassen, sind wir doch von der festen Überzeugung beseelt, daß der Allmächtige uns überall zu schützen und schirmen vermag, daß das Verderben