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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Grenzlinien zwischen den Begriffen Kodausch und Tabu. 37! der geheimnisvollen Macht des Dämons oder den Schauern des Todes, im weiteren Ausbau vielleicht auch als eine klug erdachte und benutzte Beschränkung des Verkehrs der Häuptlinge mit ihren Untergebenen zum Zwecke der Erlangung größerer Unnahbarkeit und Machtfülle. Diese rein äußerliche, politisch-weltliche Heiligkeit des Tabu, die nach Willkür übertragen werden kann, wurde darum auch vielfach aus purer Gewinnsucht benutzt und zu selbstsüchtigen Zwecken von Häuptlingen und ganzen Gesellschaften bei manchen wilden Stämmen mißbraucht1). Das Tabu der Tiere hinwiederum bedeutet die Verehrung gewisser Tierklassen als heilig und göttlieh, ist also Tiergötzendienst, hat demnach nichts zu tun mit dem jüdischen Tieropferdienst, der das Tier selbst darbrachte vor Gott zum Zeichen und als Symbol menschlicher Opferbereitschaft. Die Gegensätze der Begriffe Kodausch und Tabu lassen sich nunmehr zusammenfassend auf folgende Eormeln bringen: Kodausch involviert stets und überall ein religiöses Moment, eine göttliche Beziehung, Tabu hat oft nur rein weltlichen Charakter. Kodausch eine ethische Forderung, ein sittliches Ideal oder besser das sittliche Ideal eines ganzen Volkes; Tabu eine praktische Abwehr und Verhaltungsmaßregel oder ein Machtmittel einer bevorzugten Kaste. Kodausch ein durchaus einheitlicher, eindeutiger Gedanke, Tabu dagegen ein primitiver zwiespältiger Begriff: Kodausch, auf dem Motiv der Ehrfurcht basierend, umfaßt und bezweckt nur höchste Keinheit; Tabu, der ambivalente Begriff, auf dem Motiv der Furcht vor unbekannten dämonischen Mächten fußend, umfaßt neben dem Zustand der Reinheit auch den der Unreinheit, ja diesen besonders mit all seinen Kegeln. Hinsichtlich der psychologischen Unterlagen wären die Gesichtspunkte festzuhalten: Kodausch hervorgegangen aus dem menschlichen Kraftgefühl, aus dem Glauben an eine Em- ג) Cf. H. Webster, Primitive Secret Societies, New-York 1908, p. 95f., zitiert in Encyclopaedia of Religion und Ethies, 1. c., Art. Holy.

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