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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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370 Grenzlinien, zwischen den Begriffen Kodausch und Tabu. Verankerung des Sittengesetzes, und somit stärkstes Fundament des Judentums und der Prophetien. Auf welcher ganz anderen Stufe steht das Tabu nun hinsichtlich seiner Zweckanlage und seiner Einzelbe- Stimmungen. Was fordert das Tabu von seinen ßekennern? Welchem Zweck dient es? Auch hier belehrt uns der ausführliche Artikel der Encyclopaedia Britannica (1. c.): Das Tabu bezweckt. a) Den Schutz bedeutsamer Personen wie Häuptlinge, Priester Könige, Gegenstände und dergleichen gegen mögliche Schädigung: b) die Sicherung der Schwachen, Frauen und Kinder gegen das mächtige Mana (eine magische Kraft) der Priester und Häuptlinge; c) den Schutz gegen Gefahren, die mit der Berührung von Leichen verbunden sind. Hier geht die abergläubische Scheu so weit, daß der Name des Verstorbenen nicht einmal genannt oder auf die überlebende Person übertragen werden darf; d) Den Schutz gewisser Tierklassen, das Verbot des Tötens und Verzehrens; e) Die Sicherung wichtiger Lebensakte wie Geburt, Heirat, Männerweihe; f) Schutz des Eigentums einer Person gegen Diebe usw. Nach dieser Zweckbedeutung ist Tabu offenbar teils nichts anderes als eine Schutzmaßregel, entsprungen aus der Furcht vor der Ungnade und dem Zorn dämonischer Mächte, die gewissen Personen oder Gegenständen kraft ihrer bevorzugten Stellung innewohnt; teils bezweckt es den Schutz für Schwache Kranke und Kinder1); teils wird ein Rechtsschutz für Privateigentum beabsichtigt; teils ist es endlich mit Zurücktreten des Moments der Furcht und des Dämonismus in weiterer Ent- Wickelung zu einer Sitte, einem Kult geworden im Verkehr mit gewissen Scheu oder Abscheu, Furcht oder Ehrfurcht erregenden Personen oder Gegenständen. Wir können Tabu ansehen als eine Art primitiver Prophylaxe oder eine Wirkung infantiler abergläubischer Furcht unkultivierter Stämme vor 1j Sind doch nach Auffassung primitiver Völker mit jedem Zustand der Schwäche, Krankheit und des Verfalls, ja der CJnsauberkeit stets gewisse Dämonen verbunden.

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