Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Grenzlinien zwischen den Begriffen Kodansch und Tabu. HerzeDs ist usw.“ (Psalm. 24,3f.). Als Urbild höchster sittlicher Tugendmerkmale ist Gott weltenfern von dem Wesen heidnischer Gottheiten, deren Bekenner ihnen Falschheit, Tücke, Gewalttat, Unkeusehheit, überlegene List zutrauten, vor denen der schwächere Mensch sich dauernd in acht nehmen mußte und deren Gunst er durch freiwillige Gaben und Opfer zeitweilig erkaufen konnte. Der jüdische heilige Gott ist eine freie Persönlichkeit, keine Dämonie oder Zaubermacht, deren Nähe der Mensch furchtsam und zitternd meidet. Nichts wäre falscher als das ״Was verlangt denn der Ewige, Dein Gott, anders von Dir als daß Du Ihn fürchtest“ mit feiger Sklavenfurcht gleichzusetzen. Auf den Menschen bezogen bedeutet der Ausdruck קדוש in der Bibel etwas Sittliches1), die Freihaltung vom Niederen, Gewöhnlichen. Gemeinen. Es bezeichnet beim Menschen nicht bloß kultisch, gottesdienstlich rein (wie manche Forscher behaupten), sondern wie bei den Priestern Gott zugehörig, Gott gemäß, also nicht bloß äußerlich, rituell untadelig, sondern heilig und rein im höheren sittlichen Sinne, das Abgezogensein vom Gewöhnlichen, eine Gottes-Würdigkeit. Kodausch ״nicht nur ein Zustand, sondern eine Forderung zugleich“ (Kittel). So wird der Nasir, der des Weines usw. sich Enthaltende, ״heilig“ genannt (Num. VI 5). Der Molochdiener hat die ״Heiligkeit Gottes״ entweiht (Lev. XX 3). Überhaupt, ist das Kodausch der Bibel eine Volksmaxime, ein sittlicher Maßstab, und als solcher steht er auf ganz anderer sittlicher Höhe als das Tabu heidnischer Stämme oder sacer der Römer (Ex. XIX 6) ואתם תהיו לי ממלכת כהנים ונוי קדוש. Hiermit ist das biblische Heiligkeitsgebot in seiner Tiefe umschrieben. Das- ג) Die Derivate יש£ und •קדשי beweisen u. E. nicht etwa, daß in biblischer Zeit קמש heilig und unrein zugleich bedeutete. Vielmehr zeigt hier das Wort entweder eine von heidnischem Sprachgebrauch und Aphrodisenkultus beeinflußte Bedeutung; oder es bedeutet bloß rein formal: abgesondert, zweckgeweiht; ebenso פן תקדש המלאה daß nicht die D'«b־Saat zweckgeweiht, dem profanen Gebrauche entzogen, also unbrauchbar werde.