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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Grenzlinien zwischen den Begriffen Kodansch nnd Tabu. 3 67 Wie immer man etymologisch das Wort קרוש faßt, entweder negativ abgesondert, ausgeschieden, ähnlich בר aus ברר abschneiden (so Baudissin in: Studien zur semitischen Religionsgeschichte II, p. 22), oder positiv von הדש, neu, glänzend (so die meisten, u. a. Dillmann), auf jeden Fall hat Kodausch wie Kittel1) treffend ausführt, in der Bibel stets eine ganz bestimmte religiöse Färbung, wie dies der tatsächliche Gebrauch des Wortes fast überall unzweifelhaft beweist. Mit Recht betont Delitzsch2), ״daß der alttestamentliche Wortgebrauch von Kodausch weder von dem Etymon noch von der außerisraelitischen Verwendung des Wortes zu entnehmen ist, sondern . . . . von der alttestamentlichen Gottesidee, oder, wie wir auch sagen können, durch die Offenbarungsreligion einen eigentümlicheren, volleren Inhalt empfangen hat.“ Kodausch ist fast nirgends ein rein formaler, nur absondernder Begriff, sondern Kodausch bedeutet etwas Besseres, Höheres, Adelndes. ויקדש אתו. Gott heiligt den Sabbat (Gen. II 3), bedeutet unverkennbar: Gott macht diesen Tag zu etwas Außergewöhnlichem, vor allen übrigen Wochentagen durch Werkverbot Ausgezeichnetem. Heiligkeit bedeutet überall, bei Gott, Mensch und Tier, ein Freisein vom Unreinen, Kranken, Bresthaften (s. Priester- und Opferbestimmungen). Auf Gott bezogen hat Kodausch zweifellos in den einschlägigen Bibelstellen den Sinn: hehr, erhaben, unantastbar. Es bedeutet Gott als höchste Potenz der Reinheit und sittliehen Vollendung, der der Mensch in seiner endlichen Unvollkommenheit nachstreben soll. Gott als Inbegriff höchster Heiligkeit und sittlicher Vollkommenheit eignet als vornehmstes Attribut die Gereehtigkeit: ״Und erhaben ist der Ewige im Gericht und der heilige Gott wird durch Gerechtigkeit geheiligt“. (Jesaja V 16) ״Wer darf hinziehen auf den Berg des Herrn und wer weilen auf seiner heiligen Stätte? Wer rein an Händen und lautern *) In Herzogs Real-Encyclopaedie für protestantische Theologie. Artikel Heiligkeit Gottes. ’) Ibid. Band V, p. 714 f.

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