Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292951--00862-2294108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Gott der Gerechtigkeit.• 343 Glückkann ihm nur aus der Erfüllung einer Aufgabe ersprießen, לעבדה ולשמרה daß er den Garten bearbeite und ihn hüte. Die Liebe Gottes spendet das Glück, aber die Gerechtigkeit fordert, daß das Glück durch ein Verdienst erworben werde. Not und Tod hat der Mensch durch sein eigenes Tun in die Welt gebracht. Gottes Liebe kann ihn nicht befreien. Eine "Welt, in der keine Gerechtigkeit mehr herrscht, ist wert, daß sie durch die Sintflut zugrunde geht. Das Verdienst der Väter schafft erst die Grundlage für die Erwählung des Volkes Israel. Aber diese Erwählung aus der Reihe der anderen Völker, diese Bevorzugung wird von Bibel und Talmud als Problem empfunden. Es kann diese Bevorzugung kein Geschenk willkürlicher Liebe sein. Denn Israel kann an sich nicht mehr sein, wie ״die Kinder der Mohren“ und wenn Gott sie auserwählt, ״so ahndet er an ihnen um so mehr auch das geringste Vergehen ״. Aufstieg und Abstieg Israels und aller Völker, die in den Gesichtskreis derPropheten traten, werden in den Geschichtsbüchern, die sie geschrieben, und in den Mahn- und Trostworten, die sie gesprochen, immer als Folge der in Gerechtigkeit waltenden Vorsehung geschildert. End der Midrasch wird nicht müde, jede Andeutung der Bibel zu benutzen, um den Gedanken, daß jede Schuld sich auf Erden rächen müsse, an dem Schicksal der biblischen Helden aufzuzeigen, wie andererseits Gott keinem Wesen, auch nicht der unvernünftigen Kreatur für irgend eine gute Tat den Lohn versagen könne. Ja, der Midrasch schürft noch tiefer und sucht den Nachweis zu führen,daß überall ״ מרה בנגר מדהMaß für Maß“ in Gutem wie in Bösem gemessen wird. Die unerschütterliche Überzeugung von der G erechtigkeit Gottes duldete nicht eine Vorstellung, wie sie in der Antike uns begegnet, daß die Tragik des Helden so gar nicht im Verhältnis steht zu seiner Schuld. Und mit Vorliebe wird ausgemalt, daß die Gerechtigkeit Gottes darin zum Ausdruck kommt, daß מרה בנגר מרה Lohn und Strafe auch dem oberflächlichen Blick sich als Vergeltung gibt, daß sie den gleichen Charakter tragen, daß etwa weil Abraham, die Engel geleitete, auch Gott seinen Kindern in der Wüste in der Feuer- und Wolkensäule voranging, und weil die Ältesten, 23*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.