Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Der Gott der Gerechtigkeit. so oft ausgesprochen, daß wir nicht der Meinung sein können, unsere Propheten, S*änger und Weisen hätten Gott menschliche Leidenschaften zugesprochen. Sie reden von Gott immer in Bildern und oft recht drastischen Bildern, aber sie sind sich immer bewußt, daß es Bilder sind. Bache ist eine Leidenschaft, ihre Ausübung in Lev. 19,18 dem Menschen ausdrücklieh verboten. Wie könnte das große Vorbild, als das Gott in diesem Gesetzesabschnitt zur Nacheiferung weckt (״Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott — ebds. V. 2). selbstHandlungen ausüben, die von ihm als verwerflich bezeichnet werden. Ein Gott der Vergeltung, der Gerechtigkeit ist freilich der Ewige. Stellt man dem jüdischen Gottesbegriff den des Christentums gegenüber und ♦behauptet, das letztere kenne nur den Gott der Liebe und das erstere nur den der Gerechtigkeit, so ist diese Gegenüberstellung unwahr und sinnlos. Das Christentum kann das Attribut der Gerechtigkeit in seinem Gottesbegriff nicht entbehren. Die christliche Ethik, die in mannigfachen Darstellungen als ein geschlossenes System auftritt, verlöre ja eines seiner wichtigsten Fundamente. Ebenso kann nur Unwissenheit oder Böswilligkeit dem Gottesbegriff, wie er in Bibel und Talmud uns entgegentritt, das Attribut der Liebe absprechen. Die Frage kann nur sein: Ist die Liebe Gottes vorstellbar ohne die Grundlage der Gerechtigkeit, kann sie ohne weiteres sich ebenso auf den Schlechten, wie auf den Guten erstrecken, kann sie ihre Kraft bewähren, ohne daß der Mensch durch Handlung oder Gesinnung sie errungen. In diesem Sinne stellt das Judentum die Eigenschaft der Gerechtigkeit Gottes in den Mittelpunkt aller Aussagen üb er Gottes W esen und Wirken. Wie unendlich groß die Liebe Gottes, sie muß sich auseinandersetzen mit dem Attribut der Gerechtigkeit, sie kann nicht wirksam werden, wenn die Gerechtigkeit zu kurz kommt. la. Die Bibel stelltdie Geschichte der Menschheit von ihren frühesten Anfängen unter die Herrschaft dieses Prinzips der Gerechtigkeit. Der Mensch wird in dem Garten Edengesetzt, aber das