Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Tesd^urun August-September 2. Jahrgang Ellul-Tischri Der Gott der Gerechtigkeit. Ein Moratorium des Christentums forderte ein vielbeachteter Brief vom Felde, der in der ״Christlichen Welt“ veröffentlicht war. Er hat viele Entgegnungen hervorgerufen. Es steht uns nicht zu, uns in diesen Streit zu mischen. Aber die Frage ist berechtigt, wie kommt es, daß uns dieser Gedanke so völlig fern liegt? Es dürfte auch von unseren Gegnern schwerlieh die Behauptung aufgestellt werden, eine Glaubensgemeinschaft, wie die jüdische, die ihrer Religion solch unendliche Opfer gebracht, sei so äußerlich veranlagt, daß sie das Problem, das dieser Weltkrieg dem Gläubigen aufgibt, weniger schwer empfinde. Wir meinen, daß uns das Besondere des jüdischen Gottesbegriffes die Lösung gibt. Dies Besondere aus dem gegewaltigen Erlebnis des Weltkrieges heraus zu beleuchten, soll die Aufgabe der folgenden Erörterungen sein. I. Bekannt ist die Gegenüberstellung von dem ״Gott der Rache“ im ״Alten Testament“ und dem ״Gott der Liebe“ im ״Neuen“. ״Der Gott der Rache“ ist natürlich nur eine tendenziöse Prägung. אל נקמות heißt Gott der Vergeltung. Aber angegenommen, es sollte der Psalmist hier wirklich vom Gott der Rache gesprochen haben — wenn es sich um eine Fest- Stellung des jüdischen Gottesbegriffes handelt, dann darf man nicht mit anthropomorphistischen Wendungen operieren. Die Erhabenheit Gottes über den Menschen ist in unserer־ Bibel 23