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Jeschurun · 1915-07-01 · Heft 7 (Juli 1915) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 7 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Ein Feldpostbrief. 1׳רר כ 33 Vielleicht ist7s noch etwas anderes, was dazu beiträgt, die Seele so empfindsam zu machen. Wenn mir einfällt, wie doch der Frieden hier im Walde in so großem Widerspruch steht zu dem Streite der Völker und dem gewaltigen Donner der Kanonen. 0! daß doch die Menschen sich so viel Leid antun, morden und ihre Wohnungen einäschern müssen. 0 Gott, der Du die große Ruhe und Heiligkeit in die Natur ge־־ legt hast, warum trägst Du nicht dieselbe Ruhe und Heiligkeit in die Menschenseele. 0! Ihr törichten Menschen, warum müßt Ihr Euch gegenseitig solches Leid antun?! Hatte die Erde nicht mehr Platz, daß Ihr alle im glücklichen Frieden leben konntet? Ich muß hier denken an eine Stundein der Synagoge inB. . .*) Ich kam von der Front von Kalvaria. Ich hatte die vernichteten Städte Ostpreußens gesehen, das Land tagelang durchwandert, das leer war von Menschen und Tier wie einst Sodom und Gomorrha. Nur verreckte Leichen von Hunden und Pferden lagen links und rechts der Straße. Ich hatte später in Rußland das jüdische Elend kennen gelernt, wo die Russen monatelang Juden verhaftet, progrommiert hatten, und wo nun unsere Truppen zum zweiten Male eingezogen waren. Täglich hatte ich den Kanonendonner gehört, die Fronttruppen gesehen, heruntergekommen, und die langen Züge mit Verwundeten. Ich kam von der Stätte des Jammers, und das Bild des großen Elends lebte noch in meiner Seele, als ich in die Synagoge zum Gottesdienst eintrat wie in einen Festsaal. Die Menschen feierlich, ruhig wie gewöhnlich, als wenn kein Krieg wäre und die Gebete, die zu Gott emporklangen, ach, wie lobten sie den gnädigen Gott, der uns täglich so beglückt 'ברוך אחה ה המברך אח עמו ישראל בשלום. Ach mit Frieden beglückt er uns, sagen sie, wissen sie nicht, wie man uns mordet und schändet in Galizien und Polen, wie man nicht Greise, nicht Säuglinge schont? Fühlen sie denn nicht, daß nicht jetzt die Zeit des ג) In Deutschland — der Herausgeber.

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