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Jeschurun · 1915-07-01 · Heft 7 (Juli 1915) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 7 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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334 Ein Feldpostbrief. gehe, so, als wenn ich stillstelien müßte, um nicht durch meine Schritte die heiligen Laute der Natur zu stören. Und dann stehe ich da und staune, wie doch Gottes Werke so viel größer und gewaltiger sind als der Menschen Werke, und des Menschen Seele freier und sein Denken reifer wird, wenn er oft so in Gottes Werken leben kann, da lausche ich, was die Vögel dem Walde zuzwitschern und was die Bäume den Wolken zurauschen, und die Heiligkeit des Ganzen kommt über mich, daß ich niederknien möchte, um Gott zu danken. Zu danken, daß ich auch heute noch seine allgewaltige Herrlichkeit empfinden durfte. Heute noch! Ach, wie zittert das in meiner Seele nach. Bühle ich doch, daß ein Höherer Gewalt über mich bekommen hat. Wie war es doch so anders in Friedenszeiten. Da wußte ich, was ich morgen machen würde und schmiedete Pläne über Monate und Jahre hinaus. Das Willensproblem war kein Problem. Und heute habe ich das Selbstbestimmungsrecht völlig verloren, und der liebe Gott selber lenkt meine Schritte und wenn ich auch oft ungeduldig war, so ist's doch bisher immer gut gewesen und ich habe mich gewöhnt, jede Änderung als einen Befehl Gottes still hinzunehmen. Das ist eines. Das andere aber ist, daß ich mich als ein Gast auf der Erde halte. Ich bin Soldat und wenn auch nicht äugenblicklich der Gefahr direkt ausgesetzt, so liege ich doch immer mit geladenem Gewehr inmitten der feindlichen Bevölkerung, die schon mehr als einen Kameraden in nächster Nähe für ewig still gemacht hat. Dann aber kann ich ja täglich nach vorn geschoben werden, und schon mehr als einmal war7s nahe daran, daß ich in die vorderste Reihe der Schützengräben kommen sollte. Und weil ich mich als Gast auf dieser Erde fühle, so gehe ich überall herum, als wenn ich das letzte Mal auf diesem Stückchen Erde wäre, und alles hat ein tieferes heiligeres Gesicht und eine tiefere Bedeutung. Kleines und Geringes, was ich früher vielleicht gar nicht beachtet, vermag mich mitunter tief zu rühren, mir ist7s oft. als wenn die Gnade, so tief die Heiligkeit Gottes empfinden zu dürfen, dem Menschen nur einmal beschieden sein kann.

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