Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ein Feldpostbrief. 333 zu schreiben. Zwar wird es nicht ein Artikel für Ihre Zeitschrift, etwas, was ich, wenn auch gerade nicht versprochen, so doch unentschieden gelassen hatte. Ich habe mir bald überlegt, daß ich als Autor nicht in eine Zeitschrift hineingehöre, die jüdisch-religiöse Fragen behandelt. Denn einmal habe ich keinerlei Kenntnisse der jüdischen Literatur, scheide also zunächst aus der Zahl der gewöhnlichen Mitarbeiter aus. Aber Sie wollten ja auch ein anderes von mir. Ich sollte darstellen, wie die gewaltigen Ereignisse und die heftigsten Gemütserregungen auf meine jüdische Seele wirken. Ich sollte Welt und Menschen und Ereignisse schildern, wie sie sich in meiner Seele widerspiegeln, die durch die Gewalt der Ereignisse dem Allmächtigen über der großen weiten Erde so viel näher gerückt ist. Aber auch dieses zweite konnte ich nicht. Bin ich doch bisher nur hinter der Front gewesen und habe so gewaltige Gemütserregungen bisher noch nicht durchlebt, daß daraus eine Erneuerung des Menschen und ein tieferes Schauen in dieser Welt Getriebe erblühen konnte. Ich bin also noch nicht zu einem Mitarbeiter herangereift. Aber ich fühle mich wenigstens verpflichtet, Ihnen zu schildern, wie es um mich steht. Da muß ich gleich an einen Brief von Ludwig Ganghofer denken, den ich unlängst las, wo er nach der Schilderung des schönsten Frühlings in den Karpathen ausruft: ״Ach, wie fröhlich könnte da die Menschenseele werden, wie dankbar dem lieben Herrgott, der den Mai und die Erde so schön gemacht hat.״ Das ist’s, was mich die letzten Monate heftiger bewegt hat als je und besonders jetzt, wo ich in dem schönsten Frühlingswetter mitten in L. . . .’s Wäldern wohne, L. . . ., das schöner als Z. . . . ist. Oft ist mir, wenn ich einsam durch die hohen Tannenwälder daß ich gegen seine Absicht gehandelt. Mir erschien der Brief so wertvoll, daß ich ihn dem Leserkreis dieser Zeitschrift nicht vorenthalten wollte. Vielleicht muß man den Vf. persönlich kennen (der Dr. jur. und im kaufmännischen Leben stehend, nichts von Schwärmerei und religiöser Empfindsamkeit an sich hat), um das nachzuempfinden, was ich bei der Lektüre dieses von so inniger Frömmigkeit erfüllten Briefes empfand. Ich habe kein Wort gestrichen oder hinzugefügt. Der Herausgeber.