Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Das Kriegsfasten. vernichtete nochmals achtzehn tansend Mann.“ ״Das ganze Volk kam nach Bet-El, sie weinten und saßen vor Gott und fasteten bis Abend“ (Ri. 20,14ff.). In diesem Bericht wird von einem Fasten vor dem Kriege nicht gesprochen. Es wird vielmehr erzählt, daß, nachdem Israel zweimal von den Benjamiten geschlagen worden, es sich nach Beth-El wandte, ודורי da Buße zu tun, weil die zwiefache Niederlage als Strafe Gottes angesehen wurde. Das Kasteien wurde demnach nur als Mittel, das zu Rückkehr zu Gott anspornt, angewandt. Noch weniger als in dieser Stelle vermögen wir mit Schwally in dem Bericht von I. Sam. 7,6 einen Beweis für das V orhandensein eines Kriegsfastens von heidnischem Charakter in der Bibel zu erblicken. Denn der Zusammenhang läßt erkennen, daß das Fasten überhaupt nicht der Schlacht unmittelbar vorausging, sondern die Israeliten zur Buße bewegen sollte. Auch Buddes Auffassung von dem Charakter, des Kriegsfastens in dem von Saul und Jonathan geleiteten Kampfe hält bei richtiger Betrachtung der Stelle nicht stand. Wir lesen: Saul beschwor das Volk: verflucht sei, wer vor dem Abend Brot isst, bevor ich mich an meinen Feinden gerächt; und das ganze Volk genoß kein Brot“ (I. Sam. 14,24). Zunächst handelt die Nachricht nicht von einem Fasten vor der Schlacht; der Sieg war ja bereits erfochten (vgl. V. 28). Dann hat sich Jonathan, der Sohn Sauls, gegen dies Verbot des Vaters bekanntlich vergangen. Wäre aber das Fasten vor der Schlacht zwecks Erlangung neuer Kräfte eine allgemein israelitische Sitte gewesen, so hätte sie Jonathan sicherlieh gekannt. Nach Budde bleibt es auffallend, weshalb Saul das Volk schwören ließ. Aber es liegt eben gar keine Veranlassung vor, von dem schlichten Sinn abzugehen, der sich uns aus der Erzählung ergibt. Saul wollte den fliehenden Feind gänzlich schlagen und verbot daher, solange diese Verfolgung möglich wäre, d. h. bis zum Abend, den Verfolgern jede Nahrung zu sich zu nehmen, um den Feind keinen Augenblick zur Ruhe kommen zu lassen. Ebenso ist auch der Hinweis auf II. Chronik 20,3 hinfällig. Denn Josaphat fastete nicht, um dadurch seine Kraft zu stärken, sondern die Furcht vor dem anrückenden Feinde trieb ihn in den Tempel, um zu beten, und zu diesem Gebet bereitete er sich durch das Fasten vor. (vgl. IT. Kön. 19,2; Jes. 37,2) Bemerkens'wert ist auch, daß in den Parallelstellen zu der Chronik 20,3 das Fasten Josaphats überhaupt nicht erwähnt wird. Selbst die Apokryphen wissen von einem Kriegsfasten im heidnischen Sinne nichts zu berichten. Wie die Bibel kennen auch diese Schriften nur ein Kriegsfasten als Vorbereitung zur Buße und Rückkehr zu Gott. Von allem abgesehen, ist der Unterschied zwischen dem biblis'chen Kriegsfasten und dem heidnischen daran schon genau erkennbar, daß, während an sämtlichen Stellen der Bibel, wo von einem Kriegsfasten die Rede ist, nur von einem einzelnen Tag des Fastens gesprochen, die