Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-07-01 · Heft 7 (Juli 1915) · page 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 7 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292950--00845-2294090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Kriegsfasten. 327 wir haben vor dem Ewigen gesündigt,.... und zu Samuel sprachen sie: höre nicht auf zu Gott zu schreien, damit er uns aus der Hand der Philister rette.“ (I. Sam. 7,2 ff.) Demnach war das Kriegsfasten nur eine Vorbereitung zur Buße, diese wiederum eine Vorbedingung zum Siege. Ein ähnliches Verhalten Israels schildert uns die Chronik. Josaphat war von allen umwohnenden Völkern hart bedroht. Da ließ der König ein allgemeines Fasten ausrufen. Alles strömte nach der Hauptstadt. Josaphat stellte sich vor der ganzen Versammlung auf und sprach: Gott! und Gott unsrer Väter, du Gott des Himmels und Beherrscher aller Völkerreiche in Deiner Hand liegt Kraft und Macht, niemand vermag Dir Widerstand zu leisten.Siehe, die Völker vergelten uns Böses __richte sie doch, denn vor dieser Menge sind wir machtlos, und wir wissen nicht, was wir anfangen sollen.Da verkündete ein Prophet im Kamen Gottes: ״Bebet nicht und fürchtet euch nicht vor dieser großen Menge, denn nicht euch gilt der Krieg, sondern Gott“ (II. Chr. 20,off). Auch hier wird der Zweck des Kriegsfastens genau angegeben. Dieser so deutlich und klar ausgesprochene Zweck des Kriegs, faste ns wird neuerdings von verschiedenen Vertretern der vergleichenden Ethnologie bestritten. Man hat nämlich nachgewiesen, daß verschiedene alte Völker vor und während eines jeden Krieges fasteten. Und zwar liegt hier die seltsame Vorstellung zugrunde, der Mensch gewinne durch das Fasten an Kraft. Je mehr er fastet, um so leichter vermöge er seine Feinde niederzuringen. Diese Vorstellung ist unter den Wilden in Südamcrika und den Mexikanern noch jetzt verbreitet. Bis jetzt ist es aber der vergleichenden Ethnologie nicht gelungen eine derartige Anschauung über das Fasten vor dem Kriege bei einem semitischen VoDve des Altertums nachzuweisen. Diese Tatsache hält aber viele Forscher nicht davon ab, das biblische Kriegsfasten mit dem der erwähnten Völker zu indentifizieren. So meint Schwally: ״Ehe die vereinigten Israeliten gegen Benjamin zu Felde zogen, kamen sie in Bethel zusammen; hierbei fasteten sie bis Abend und opferten dann. Diese Kasteiung hatte den Charakter einer Vorbereitung zum Kriege. (Semitische Kriegsaltertümer S. 50). Auch das Fasten, das Samuel für das in Mizpa versammelte Volk anordnete (I. Sam. 7,6), wird von Schwally als ein vorbereitendes Kriegsfasten angesehen (in seinem Kommentar z. St.). Budde will freilich das Fasten nicht eigentlich als eine Vorbereitung zur Schlacht ansehen. Aber er gibt uns auch eine falsche Vorstellung von diesem Fasten, wenn er meint: An Stelle des Orakels, das einzuholen keine Zeit war, hat Saul das Enthaltungsgebot dem Volke geboten, um dadurch Gottes Wohlgefallen zu erwecken (in! s. Komment, zu I. Sam. 14,2). Betrachten wir nämlich die betreffenden Stellen etwas näher, so erkennen wir bald die Unhaltbarkeit dieser Behauptungen. Die erste Steile lautet: ״Und Benjamin zog am zweiten Tage von Gibea aus und 22*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.