Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292950--00844-2294089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
326 Das Kriegsfasten. heita. Diese alten Gebetworte haben jetzt eine aktuelle Bedeutung für uns erlangt und wir sprechen sie mit mehr Innigkeit und größerem Verständnis als zuvor. Mögen nach einem baldigen glücklichen Frieden die zahlreichen Gefangenen in ihre Heimat zurückkehren uni uns das Bewußtsein bleiben, daß wir zur Erleichterung ihres harten Loses etwas beigetragen haben. Das Kriegslasten. Von Rabb. Dr. A. Neuwirth, Mainz. In Bibel und Talmud wird uns mehrfach berichtet, daß Israel vor einer Schlacht und einem Krieg ein Fasten abzuhalten pflegte. Die Motive für diese Handlung werden genau angegeben. In Israel lebte die Überzeugung, daß Gott ״איטי בללחבלדז״ der Lenker der Schlachten sei, der allein den Sieg zu gewähren vermöge. Das Fasten galt allgemein als ein Zeichen der Demütigung vor Gott und der Reue über begangene Sünden. Durch das Fasten wollte man gleichsam die moralischen Hindernisse, die den Ausgang des Krieges beeinträchtigen könnten, beseitigen. Denn nur die Sünde und das Vertrauen auf die menschliche Macht konnten, nach jüdischer Ansicht, den glücklichen Ausgang verhindern. Sowohl die Sünde als die Selbstüberhebung wurden durch die Buße und seelische sowie körperliche Entäußerung, wie sie mit dem Fasten verbunden waren, aus der Welt geschafft. Statt vieler führen wir hier nur zwei Stellen aus der Bibel an< wo das Motiv für das jüdische Kriegsfasten ausführlich angegeben ist. Israel hat gegen die Philister jahrzehntelang gekämpft. Hierbei erlitt Israel mehrfache Niederlagen. Endlich erkannte das Volk die Ursache dieser Mißerfolge: es war der Bruch der Treue gegen Gott: eine Buß־ Stimmung bemächtigte sich aller. Da trat der Prophet Samuel auf: ״Wenn ihr mit ganzem Herzen zu Gott zurückkehren wollt, so schaffet die fremden Götter ans eurer Mitte, richtet euer Herz zum Ewigen, dienet ihm. Er wird euch aus der Hand der Philister retten. Israel entfernt die fremden Götzen, und Samuel ordnete ein Volksfasten an. ״Und sie schöpften Wasser, gossen es vor Gott aus, sie fasteten und sprachen: