Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Die Auslösung der Gefangenen. Zukunft er voraussah, ausgelöst habe, und gelte es den höchsten Preis. Nach heißem Bemühen gelang es ihm, die Auslösung des Knaben herbeizuführen, der zu einem bedeutenden Gelehrten heranwuchs. Rabbi Ismael ben Elischa ist sein Name. Die Auslösung von Gefangenen war besonders in den traurigen Zeiten des Mittelalters ein Akt der Wohltätigkeit, der sehr oft wie eine ganz selbstverständliche religiöse Pflicht geübt wurde. Bekannt ist die Geschichte von den vier gefangenen Talmudgelehrten, die von ihren Glaubensgenossen ausgelöst wurden und zur Verbreitung der talmudischen Gelehrsamkeit in ihrer neuen Heimat viel beitrugen. Einer dieser Gelehrten ft. Mose, der von der Gemeinde Cordova freigekauft wurde, trat in ärmlicher Kleidung in das Lehrhaus, woselbst gerade der damalige Oberrabbiner It. Nathan einen Vortrag hielt, und nahm bescheiden in der letzten Reihe Platz. Bald hatte aber der Fremde Gelegenheit, bei einer schwierigen Frage seine tiefen Kenntnisse zu zeigen, und R. Nathan verzichtete freiwillig auf sein Amt und bewirkte, daß R. Mose zum Rabbiner der Gemeinde gewählt wurde. — An die oben erwähnte Be- Stimmung, Gefangene nicht über den Wert auszulösen, erinnert uns die Erzählung von dem gefeierten Rabbiner R. Meir von Rothenburg. Dieser hochberühmte Mann hatte den Plan gefaßt, mit vielen anderen jüdischen Familien nach Palästina auszuwandern, wurde aber auf der Reise in der Lombardei verhaftet und auf Befehl des Kaisers Rudolf auf die Burg Ensisheim in Elsaß gebracht. Die deutschen Juden waren bereit, ihn für eine große Summe — dreißigtausend Mark — auszulösen, aber der edle und fromme Rabbi verbot seine Auslösung, damit habgierige Machthaber nicht lernten, durch Einkerkerung hervorragender Männer von den Juden Geld zu erpressen. Erst vierzehn Jahre nach seinem Tode erkaufte ein reicher, frommer Mann, Süßkind Wimpfen in Frankfurt a. M., die Freigabe der Leiche und ließ sie in Worms bestatten. — Weniger bekannt ist das warmherzige persönliche Eintreten des großen Maimonides zugunsten gefangener Glaubensgenossen. Im Jahre 1172 war eine große Anzahl von Juden in die Gefangenschaft