Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Auslösung der Gefangenen. 323 wenn der geforderte Preis den Wert derselben übersteigt. ~ — ״Man verhelfe den Gefangenen nicht zur Flucht, damit der Feind nicht deren Joch erschwere und die Hut derselben verschärfe.״ Beide Bestimmungen sind ״zum Besten der Weltמפני תיקון) ״ העולם) erlassen. Durch sie sollten die so weitgehenden und humanen Gebote bezüglich der Auslösung der Gefangenen vor jedem Mißbrauch geschützt werden, eine Maßnahme, die, wie die Geschichte uns lehrt, durchaus berechtigt war. II. Die vom jüdischen Religionsgesetze aufgestellten Lehren über die Auslösung der Gefangenen wurden im praktischen Leben der Juden treu und gewissenhaft erfüllt. In großartiger Weise fand diese Liebespflicht sofort nach dem Untergange des jüdischen Staates ihre Betätigung. Uber 900 000 Juden wurden bei dieser traurigen Katastrophe zu Gefangenen gemacht. Von diesen Unglücklichen kamen viele nach Städten, wo jüdische Gemeinden bestanden, und da wurden sie — darauf konnten sie rechnen — von ihren Glaubensgenossen in brüderlicher Teilnahme losgekauft. Der Geschichtsschreiber Josephus erzählt rühmend von sich selber, daß er einer Anzahl von gefangenen Männern und Frauen ohne Lösegeld die Freiheit verschaffen konnte (Vita 75). — Ein recht charakteristisches Beispiel, wie die Gefangenen um jeden Preis losgekauft wurden, teilt uns auch der Talmud mit (Gittin 58 a). Rabbi Josua, der sich einst in Rom befand, hörte, daß ein überaus schöner Jüngling mit langen, wallenden Locken im Gefängnisse schmachte. Da machte er vor der Türe des Kerkers Halt und rief dem gefangenen Jüngling die Prophetenworte zu: ״Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel den Räubern,“ und der Gefangene antwortete mit der zweiten Yershälfte derselben Prophetenstelle: ״Gott ist es, gegen den wir gesündigt, in dessen Wege sie nicht wandelten und dessen Lehre sie nicht gehorchten“ (Jesaja 42,24). Erstaunt über diese geschickte Antwort, faßte Rabbi Josua den festen Entschluß, nicht früher die Stadt zu verlassen, bis er den Knaben, dessen glänzende