Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Heerwesen und die jüdische Erziehung. 301 das Streben erblickt, zu den höheren Ständen gezählt zu werden. Es sieht mit einem gewissen Hochmut auf die Zöglinge der mittleren und niederen Schulen herab, das Gefühl der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen, aller Gesellschaftsklassen erleidet einen Stoß, der Tag für Tag während der ganzen Schulzeit genährt wird. Es gibt nur eine einzige, vollkommene und wahrhafte Einheitsschule, und das ist die jüdische Religionsschule. Hier sitzt wirklich das Kind des Herrn neben dem Kind des Dieners, hier herrscht vollkommene Gleichheit. lind wenn das Kind des Vorstehers sieht, daß ihm die höhere Stellung seines Vaters nichts hilft, daß ihm der Sohn des Synagogendieners vorgezogen wird, weil er fleißiger, aufmerksamer, artiger sich beträgt, so ist diese durch die Jahre der Kindheit hindurch fortgesetzte Wahrnehmung für die ganze Lebensanschauung, für die Charakterbildung des Kindes so segensvoll, so weitgreifend, daß alle anderen Fragen daneben verschwinden. Wenn aber das Kind, das für den allgemeinen Unterrieht von den öffentlichen Schulanstalten Gebrauch macht, der für die religiöse Unterweisung bestehenden Schule ferngehalten und für sich allein gerade in diesem Fache unterrichtet wird, so liegt für das Kind darin der Gedanke ausgesprochen, mit den Andersgläubigen magst Du Verkehr und Umgang pflegen, obschon Dein Glaube nicht ihr Glaube ist; aber mit Deinen jüdischen Brüdern und Schwestern darfst Du nicht auf einer Schulbank sitzen, weil ihr Vater weniger besitzt als Dein Vater. Welcher Hochmut liegt in den Worten: ״Ich kann doch mein Kind nicht in die jüdische Eeligionsschule schicken!1־ Welche Versündigung, diese bösen Geister schon in die Herzen der Kinder zu pflanzen. Woher soll solchen Kindern Liebe zu ihren Glaubensbrüdern, Liebe zu ihrem Gotte und der Gotteslehre erstehen?! Man mag vielleicht einwenden, manches Kind wird nur deshalb nicht in die jüdische Schule geschickt, weil die Eltern es vor üblen Angewohnheiten, gefährlichen und verderblichen