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Jeschurun · 1915-07-01 · Heft 7 (Juli 1915) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 7 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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300 Das Heerwesen und die jüdische Erziehung. sein, sie müssen sich gleich nahe den Elternherzen fühlen, so viele Unterschiede auch unter ihnen durch Anlagen und Außerliehkeiten herrschen mögen. Bis zum sechsten Lebensjahre, bis wohin die Erziehung ausschließlich im Hause, in der Eamilie sich vollzieht, dürfte auch kaum ein derartiger Gedanke im Herzen eines Kindes rege werden. Der Schwerpunkt der Erziehung bleibt zwar auch ferner im Hause, aber fortan tritt die Schule ergänzend hinzu und teilt sich mit den Eltern in der Aufgabe der Erziehung. So wie unsere Schulen im Prinzip gedacht, wenn auch nicht immer in der Wirklichkeit beschaffen sind, bilden sie eine ganz unschätzbare, eine vorzügliche Stütze und Förderung für die richtige Erziehung des Kindes. Unsere Schulen werden zwar nicht in militärischem Geiste geleitet, aber sie haben doch viel Ähnlichkeit mit dem Heerwesen, und die Aufnahme des Kindes in die Schule ist deshalb sehr wohl zu vergleichen mit dem Eintritt des Erwachsenen beim Heere. Das Kind erhält in seinen Mitschülern und Kameraden einen gleichberechtigten Gefährten, es lernt, es verspürt etwas von der Gleichheit aller Menschen. Ob arm oder reich, ob aus vornehmem oder geringem Hause, alle sitzen auf der gleichen Schulbank, alle beschäftigen sich mit der gleichen Aufgabe, dem Muttersöhnchen, dem in Samt und Seide gekleideten Millionenerben wird keine andere Behandlung zugestanden als dem Bettlerkinde. Hiebt der Stand und die Geltung der Eltern, nicht die Vorrechte der Geburt begründen eine besondere Bevorzugung, sondern der Fleiß, das Betragen, die Begabung und die Tüchtigkeit bestimmen den Bang und den Platz. Das ist ein Segen, der ganz unschätzbar ist. Kun sind aber in unserem Staate die Unterrichtsanstalten nicht Einheitsschulen, sondern sie tragen den Standes- und den Klassenunterschieden Rechnung, sie sind eingeteilt in niedere, mittlere und höhere Schulen. Und wenn wir unser Kind eine höhere Schule besuchen lassen, sieht das Kind die Absicht, die uns vielleicht leitet, unserem Kinde eine umfassendere bessere Bildung zu geben, viel weniger ein, als es darin

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