Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-07-01 · Heft 7 (Juli 1915) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 7 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292950--00817-2294062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Heerwesen und die jüdische Erziehung. 99 brauch befestigen, sondern allmählich wieder vergessen und verlernen. Die Fertigkeit im Deutsch-Lesen wird ja auch nur durch den unablässigen Gebrauch erworben. Sobald das Kind Lesen und Schreiben erlernt hat, beginnt die bewußte und unbewußte Übung allerwärts, in der Schule, im Hause, auf der Straße. Wenn es Geschichte, Erdkunde, Sprachen erlernt, wird von selbst dabei die Lesefertigkeit geübt, wenn es die Zeitung zur Hand nimmt, sich an Kindererzählungen und Märchen ergötzt, Briefe schreibt und empfängt, die Firmenschilder der Häuser betrachtet, immer übt es sich, befestigt es sich in der Kunst des deutschen Lesens. Wenn aber das Kind, nachdem es die hebräische Lesefibel beiseite legen kann, von uns nicht dazu angehalten wird, morgens und abends zu beten, zu ״bensehen“, zu ״lainen“, dann können die wenigen Stunden in der Schule unmöglich di e Wunder Wirkung haben, daßunser Sohn mit der Gemeinde beten, am öffentlichen Gottesdienst teilnehmen kann. Erfüllen wir aber das Gebot, das wir aus dem Schma- Gebete kennen: ״Du sollst einprägen, einschärfen Deinen Kindern“, bewähren wir uns als der von dem obersten Befehlshaber bestellte Vorgesetzte, der nicht müde wird mit seinen Mannschaften zu exerzieren, dann haben wir unsere Kinder mit der Fähigkeit ausgerüstet, zu kämpfen und zu siegen, zu siegen, wie zahlreich auch die Feinde und die Anfechtungen sein mögen. Zu der Übung muß die Gleichheit hinzukommen. Wir müssen unsere Kinder gleich lieb haben, gleichmäßig behandeln, soweit nur möglich gleich beköstigen, gleich kleiden, gleich beschenken, gleicherweise in unsere Nähe ziehen, gleich strafen und belohnen. Es war ein Unglück, daß Isaak den Esau, Rebekka den Jakob als Lieblingssohn behandelte, es war ein Unglück, daß Jakob seinen Sohn Joseph vor allen bevorzugte, und unsere Weisen ziehen daraus die warnende Lehre, nicht ein Kind anders zu behandeln als die anderen Kinder. Das gilt für beide Eltern. In keinem der Ehnder darf der Argwohn rege werden, bevorzugt oder zurückgesetzt zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.