Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Das Heerwesen und die jüdische Erziehung. Die Mögiichkeit dieser wirksamen Erziehung ist allen Eltern gegeben. Den jüdischenV ater, die jüdische Mutter aber unterstützt unsere heilige Religion darin in besonderem Grade durch jedes einzelne ihrer Gebote. Greifen wir als Beispiel nur ״die Segenssprüche״ heraus. Noch vor Abschluß des zweiten Lebensjahres, sobald das kleine Wesen zu sprechen beginnt, können wir damit anfangen, ihm nichts zu verabreichen, ohne daß es uns die ״Brochoh“ nachgesagt. Wir schaffen uns damit eine stets sich wiederholende, ständig wachsende Quelle der reinsten Freude und unserem Söhnchen einen Born unermeßlichen Segens. Der kleine ״Rekrut״ lernt seine Sehnsucht nach der lockenden Süßigkeit, nach dem begehrten Apfel, nach dem gewünschten Stück Kuchen zurückzudämmen, bis er seiner ״Pflicht״ genügt, bis er die weggeworfene Mütze wiedergeholt hat, er lernt, ohne viel Rederei, Gott als den gütigen Geber aller Erdengüter kennen, er lernt die verschiedenen Genußmittel nach ihrer Herkunft unterscheiden, ob sie vom Baume, aus der Erde, vom Weinstock usw. herstammen. Allmählich begreift er, aus sich selbst heraus die verschiedenen Segens- Sprüche auseinanderzuhalten, er ist ein denkender Mensch geworden gegen aas gleichaltrige arme Kind, dem des Vaters und der Mutter Leichtsinn diese Segensquelle vorenthalten hat. Die Brochaus werden zum ״Segen״ für das Kind und für das Haus, in dem sie gehört werden. Lernt dann später das Kind die hebräischen Worte übersetzen, dann bleibt die Bedeutung der Ausdrücke in seinem Gedächtnis haften nach der kürzesten Übung, weil die Worte durch den häufigen Gebrauch ihm geläufig sind, während andere Kinder die in der Schule erlernten Segenssprüche samt der Übersetzung alsbald wieder vergessen, weil sie sie eben nicht üben. Dasselbe gilt vom hebräischen Lesen und der darin nötigen Fertigkeit. Bei all den Kindern, wo die häusliche Übung fehlt, hat die Schule ihre ewige Qual, ihre ständige Not, sie muß statt des nötigen Übersetzungs-, Geschichts- und Religions- Unterrichts immer wieder Leseübungen vornehmen, weil die Kinder das mühsam beigebrachte Lesen nicht durch steten Ge-