Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 Bücherbesprechung. für unser Empfinden, die wir gewohnt sind, ״Mischnajoth zu lernen“, sowohl der Charakter dieser Erklärungen, der so ganz von der Methode unserer jüdischen בלפרנצים abweicht, als die Übersetzung, die in ihrer Wörtlichkeit so völlig anders klingt als die bei uns im mündlichen Vortrag übliche, derartige Mischnaausgaben etwas Fremdartiges und Seitsames haben. Aber es kann nichts schaden, wenn auch unsere studierende Jugend, nachdem sie vorher ״gelernt“ hat, diese Übersetzungen in die Hand bekommt, um aus ihnen eine Fülle von Belehrung über die vorhandenen Handschriften und Ausgaben der Mischna, die Geschichte ihrer Lehrer, den grammatischen Bau ihrer Sprache, die Realien, die Be- Ziehungen zur Umwelt zu schöpfen. Wir freuen uns;jedenfalls, zu diesen Ausgaben uns rückhaltslos anerkennend äußern zu können, nachde־:n die Ausgabe von Holtzmann-ßeer die jüdischen Gelehrten zwang, ein so vernichtendes Urteil über ״Christliche Talmudforschung“ (vgl. den so betitelten Aufsatz von V. Aptowitzer in Monatsschrift für Gesch. 11. Wiss. d. Jud. 1913) zu fällen. J. W. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit. Ein Quellenbuch für den Unterricht und zum Selbststudium, herausgegeben und bearbeitet von Prof. Dr. A. Sulzbach. IX und 222 Seiten. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. Mk. 3.30. Das hier an gezeigte Werk ist eine schöne Frucht des otium cum dignitate, dessen der gelehrte Verfasser sich noch recht lange erfreuen möge. Das Buch wird überall, wo man noch ein lebendiges Interesse für jüdische Dinge sich bewahrt hat, mit Dank und Anerkennung gelosen werden. Führt es uns doch in einem unterhaltsamen und lehrreichen Spaziergange hinauf bis zu den Quellen der Geschichte unseres Volkes während der letzten zweitausend Jahre und zeigt uns manch anmutiges Bild aus den verschiedenen Zeitabschnitten von Alexander dem Großen bis Moses Mendelssohn. Hier werden sich nicht bloß Erwachsene ergötzen, denen die Quellenschriften nicht leicht zugänglich sind, unsere Jugend wird durch diese mit großem pädagogischen Geschick getroffene Auswahl aus bedeutungsvollen Schriften sich für die hohen Ideale unseres Glaubens begeistern und zur Nacheiferung der ihr vorgeführten Muster erwärmen. Wenn sie z. B. liest, wie der große Bamham in unausgesetzter Berufsarbeit als Arzt den Tag verbrachte, so daß ihm kaum die Zeit für die einzige kurze Mahlzeit am Tage freiblieb, und wie er trotzdem der unerreichte Talmudgelehrte und Philosoph war, dann wird die mit Liehe und Lust zum Thorastudium erfüllt werden können. Der beschränkte Raum gestattet uns nicht, hier noch genauer auf den ebenso bunten wie auch reichen Inhalt dieses schönen Buches einzugehen. Es sollte in keiner jüdischen Familie fehlen, denn seine Lektüre wird nur ungeteilte Befriedigung hinterlassen. Ein kleiner Irtum in